BABY UND KIND
Das übergewichtige Kind
Fehlernährung gilt heute als Mitverursacher von Zivilisationskrankheiten, deren Kosten eine enorme Belastung für den Staatshaushalt darstellen. Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. 40 Prozent der übergewichtigen Kinder und 80 Prozent der übergewichtigen Jugendlichen werden später dicke Erwachsene.
Übergewicht im Kindesalter ist besonders problematisch. Der Körper Heranwachsender befindet sich in der Entwicklung. Auch hier gilt: Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. So drücken überflüssige Kilos arg auf den noch nicht voll belastbaren Halte- und Bewegungsapparat des Kindes: Bleibende Schäden an der Wirbelsäule, den Gelenken, den Füßen und Sehnen sind die Folge. Bewegungsmangel - und dieser scheint in unserer Gesellschaft zunehmend chronisch zu werden - unterstützt diese negativen Auswirkungen. Doch auch die inneren Organe wie Herz und Leber werden in Mitleidenschaft gezogen. Schon früh sind hier die Anlagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen (wie zu hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterin-, Blutzucker- und Harnsäurewerte) gegeben. Zudem verletzt sich ein dickes Kind leichter als ein normalgewichtiges, da seine Beweglichkeit und sein Reaktionsvermögen eingeschränkt sind. Sie ersparen Ihrem Kind auch eine enorme Menge seelischer und sozialer Probleme, wenn Sie darauf achten, dass es schlank bleibt. Kinder können untereinander sehr verletzend sein. Ein Kind leidet sehr unter den Hänseleien Gleichaltriger. Das Übergewicht hat also neben den körperlichen auch psycho-soziale Folgen: Ein dickes Kind zieht sich zurück. Computer und Fernsehen ersetzen oftmals freundschaftliche Kontakte. Diese Isolation aber verhindert noch mehr, dass es sein Normalgewicht durch Sport und Spiel im Freien wiedererlangen kann - ein verhängnisvoller Kreislauf, den Sie unterbrechen können. Naschereien - ein Problem für sich? Das muss nicht sein, denn Kinder können zu einem maßvollen Umgang mit Süßigkeiten erzogen werden. Einerseits spielt die Vorbildwirkung der Bezugspersonen eine Rolle: Wenn Sie selbst gern und viel naschen, vielleicht sogar auf Mahlzeiten zu Gunsten von Süßigkeiten verzichten oder sich zwischendurch immer wieder etwas Süßes gönnen, wird Ihr Kind kaum zu der Überzeugung gelangen, dass ständiges Naschen ungesund ist. Beim Thema Naschen gilt daher, was beim Essen insgesamt wichtig ist: Praktizieren Sie selbst einen bewussten und vernünftigen Ernährungsstil, dann wird es Ihrem Kind auch leichter fallen, auf den einen oder anderen Schokoriegel zu verzichten. Leider hat man die Ernährung des eigenen Kindes nicht immer alleine im Griff. Vor allem die "lieben Verwandten" neigen dazu, dem Kind heimlich Naschereien zuzustecken, weil sie meinen, ihm damit etwas Gutes zu tun. Reden Sie mit der Oma oder dem Onkel, stellen Sie Ihre Position klar dar und scheuen Sie sich nicht davor, selbstbewusst aufzutreten. Klären Sie den Sachverhalt jedoch auf keinen Fall vor dem Kind. Wenn das Kind nur selten in Kontakt mit den betreffenden Verwandten kommt, bleibt Ihnen auch die Möglichkeit, es zu tolerieren. Bei häufigem Kontakt müssen Sie aber eine Regelung finden. Sie tun es im Interesse Ihres Kindes, denn zu viel Süßes führt zu Übergewicht und Zahnerkrankungen wie Karies. Andererseits hilft im Umgang mit Ihrem Kind auch kein ständiges Schimpfen oder gar Verbieten. Im Gegenteil - ein Verbot lockt. Auch aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es wenig sinnvoll, den Zuckerverzehr generell zu verbieten. Zum einen gibt es eine angeborene Präferenz für Süßes und zum anderen schadet Ihrem Kind eine maßvolle Aufnahme von zuckerhaltigen Lebensmitteln nicht. Es sollte jedoch nicht mehr als etwa 20 Prozent seiner Kalorienzufuhr damit decken (was etwa einem Esslöffel Marmelade, 50 Gramm Gummibärchen oder einem kleinen Eis entspricht). Sie sollten auf jeden Fall bedenken, dass ein Kind für die Gesundheitsargumente von Erwachsenen wenig aufgeschlossen ist. Viel eher helfen Spielregeln, an die es sich hält. So können Sie sich gemeinsam mit ihm darauf einigen, dass es nur einmal am Tag Süßes isst, und zwar stets nach den Mahlzeiten. Leckereien zwischen den Mahlzeiten verderben schnell den Appetit. Das anschließende Zähneputzen sollten Sie dabei nie vergessen! Gewöhnen Sie Ihr Kind nicht an zusätzliche Süßigkeiten. Bereiten Sie Ihrem Säugling oder Kleinkind eine "süße" Mahlzeit zu, genügt die natürliche Fruchtsüße - beispielsweise von Karotten und Obst - völlig.
Ist Ihr Kind bereits eine ausgesprochene "Naschkatze", geben Sie nicht auf. Reduzieren Sie die Menge der Süßigkeiten schrittweise. Greifen Sie keinesfalls zu Süßstoffen oder Lebensmitteln, die Zuckeraustauschstoffe enthalten. Diese "Kunstzucker" gehören nicht in die Kindernahrung! Auch Limonaden oder Säfte mit Süßstoff sollten Sie meiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für künstliche Süßungsmittel so genannte duldbare Mengen festgelegt, die ADI-Werte. Sie geben die Menge je Kilogramm Körpergewicht an, die ein Mensch täglich, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen, zu sich nehmen darf. Die duldbare Menge wird bei Kindern mit ein paar Streifen Kaugummi schnell erreicht. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft, die synthetischen von den natürlichen Zuckern zu unterscheiden. Bedenken Sie, dass auch andere natürliche Zuckerarten wie Fructose (Fruchtzucker), Maltose (Malzzucker) oder Maltodextrin keinerlei ernährungsphysiologische Vorteile gegenüber dem üblichen Haushaltszucker (Saccharose) haben. Wollen Sie Honig verwenden, sollten Sie auf Folgendes achten:
Selbst wenn Sie sämtliche vorangegangene Ratschläge befolgen, alle Tipps beherzigen: Quälen Sie sich nicht mit Schuldgefühlen, sollte Ihr Sprössling anders essen, als Sie es sich wünschen. In unserer vom Überfluss gekennzeichneten Gesellschaft bestimmt nicht nur das Hungergefühl die Nahrungsaufnahme, sondern auch der psychologische Effekt eines Nahrungsmittels: Bestimmte Nahrungsmittel werden einem typisch erlebnisorientierten Lebensstil zugeordnet und mutieren damit zu einer Art Psycho-Essware. Die Argumente einer gesundheitsbezogenen Ernährungslehre nehmen sich dagegen eher bescheiden und wenig attraktiv aus. Spätestens mit dem Eintritt in den Kindergarten lernen Eltern die Macht der Werbeindustrie und den daraus resultierenden, manchmal unbegreiflichen Einfluss anders essender Kinder auf ihr eigenes kennen. Dann prallen gegensätzliche Auffassungen vom Wert des Lebensmittels oder von der Zusammensetzung der Speise ungebremst aufeinander. Schon der "Fruchtzwerg" einer Freundin kann all Ihre Bemühungen zunichte machen. Stopft Ihr Kind dann im Schulalter maßlos McDonald-Pommes frites und Hamburger in sich hinein und spült mit Cola nach, hat es beileibe kein "Salat-Trauma" oder eine "Vollwert-Psychose". Womöglich macht es lediglich eine pubertäre Entwicklungsphase durch. Und die, das sollte Sie trösten, ist irgendwann einmal zu Ende.
Redaktion: Marita
Vollborn |
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