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HEALTH CENTER: ALLERGIE



Medikamentöse Unterstützung bei Allergien

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Ist bei einem Patienten erst einmal eine Allergie diagnostiziert, sollte in erster Linie der Kontakt mit dem Allergen, also jener Substanz, die die Allergie auslöst, so gut als möglich gemieden werden. Es gibt aber auch Situationen, die eine medikamentöse Therapie notwendig machen:

  • Der Patient leidet gerade mehr oder weniger stark an seinen Allergiebeschwerden, zum Beispiel an einer Kontaktdermatitis oder an einem Heuschnupfen - der Patient kann also den Tipp mit dem Meiden erst später umsetzen.
  • Der Patient kann den Allergenkontakt nicht sicher oder nicht immer vermeiden, so etwa bei einer Allergie durch Baum- oder Gräserpollen, durch Insektenstiche etc.

Zumindest in diesen beiden Situationen wird also ein Medikamenteneinsatz erforderlich sein. Dazu muss zuerst unterschieden werden, um welche Art von Allergie es sich handelt, denn davon hängt die Auswahl der geeigneten Präparate ab. Die beiden wichtigsten und am häufigsten auftretenden Allergie-Arten sind:

  • Die Typ-I-Allergie, die rasch, innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden, nach Kontakt mit dem Allergen auftritt. Hierzu gehören bestimmte Formen der Nesselsucht, der Heuschnupfen (allergische Rhinokonjunktivitis), das allergische Asthma, die schockartige Reaktion auf Insektenstiche etc.
Beispiel für eine Typ-I-allergische Reaktion, manifestiert als Nesselsucht
  • Die Typ-IV-Allergie, die sich eher innerhalb von Tagen nach dem Kontakt mit dem Allergen entwickelt. Dazu gehören die allergische Kontaktdermatitis (= allergisches Kontaktekzem) sowie bestimmte Ausschläge nach Anwendung von Medikamenten (Arznei-Exantheme).

 


Beispiel für eine Typ-IV-allergische Reaktion, manifestiert als Kontaktekzem der Handflächen

 

Typ-I-Allergie

Allergische Reaktionen dieser Gruppe gehen mit einer Freisetzung von Histamin und der Bildung von anderen allergiebeteiligten Substanzen (Allergiemediatoren) aus den so genannten Mastzellen, einer wichtigen Gruppe der menschlichen Abwehrzellen, einher.

Daraus ergeben sich drei wichtige Therapieansätze:

1. H1-Blocker (Antihistaminika)
2. Mastzellen-Stabilisatoren
3. Kortison


1. Antihistaminika:

Histamin ist eine körpereigene Substanz, die nach Freisetzung aus den Mastzellen verschiedene, für jeden Allergiker bekannte und unangenehme Reaktionen auslöst:

  • Die Erschlaffung der Gefäßmuskulatur führt insgesamt zu einer Blutdrucksenkung sowie lokal zu einer Rötung der Augenbindehaut.
  • Die Erhöhung der Gefäßdurchlässigkeit führt zu einer Schwellung der Binde-, Nasen- oder Bronchialschleimhaut mit Asthma bronchiale. An der Haut können die Quaddeln einer Nesselsucht auftreten, meist verbunden mit ausgeprägtem Juckreiz.
  • Es kann auch zur Aktivierung der Darmschleimhaut mit daraus resultierendem Durchfall kommen.
Antihistaminika blockieren im Körper die Histaminrezeptoren, also jene Stellen, an denen die Substanz angreift, beeinflussen aber nicht die Freisetzung und den Abbau von Histamin. Zusätzlich blockieren einige dieser Substanzen auch andere Rezeptoren und haben dadurch eine Reihe weiterer Effekte auf den Organismus. Bei Vertretern der ersten Generation von Antihistaminika kam es häufig zu Ermüdungserscheinungen. Mittlerweile konnten Substanzen entwickelt werden, deren sedierende (schlaffördernde bzw. die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigende) Wirkung in Studien nicht höher war als jene von Placebo.
Diese Medikamente müssen mindestens 48 Stunden vor einem Allergietest an der Haut, z.B. einem Prick-Test, abgesetzt werden, da ansonsten das Testergebnis verfälscht werden kann.


2. Mastzellen-Stabilisatoren:

Diese Mittel stabilisieren die Zellwand der Mastzellen und verhindern auf diese Weise die Freisetzung von Histamin. Sie werden bei allergischem Schnupfen und bei der allergischen Bindehautentzündung lokal am Auge oder an der Nasenschleimhaut eingesetzt.

3. Kortison:

Therapeutisch eingesetzte Kortisone sind abgeleitet von Hormonen, die in den Nebennieren des Menschen produziert werden. Die Kortisone, genauer gesagt, die Glucocorticoide, nehmen nach wie vor (und auch zu recht seit Jahrzehnten) einen zentralen Platz in der antiallergischen Therapie ein, da sie nahezu alle durch die allergische Reaktion ausgelösten Entzündungsvorgänge hemmen können. Sie wirken also entzündungshemmend, was gerade bei allergischen Reaktionen wichtig ist, zumal diese ja eine besondere Form der Entzündung darstellen.
Die häufig beim Patienten anzutreffende Angst vor Kortison ("Hammerpräparat" für schwere Erkrankungen etc.) ist heutzutage unbegründet, wenn man den korrekten Anweisungen des Arztes exakt folgt. Lokal, also örtlich angewendetes Kortison, z.B. in Form von Sprays für die Atemwege, ist bezüglich der Nebenwirkungen noch sicherer als Kortison in Tabletten oder Spritzen.

4. Weitere Gegenspieler der Allergiemediatoren:

  • Alpha-Sympathomimetika:
    Diese Substanzen werden an Binde- und Nasenschleimhaut lokal angewandt. Sie wirken gefäßverengend und wegen der Durchblutungsverminderung abschwellend sowie sekretionshemmend. Diese Präparate sollten stets nur kurzfristig zum Einsatz kommen, um Schleimhautschädigungen zu vermeiden.
  • Beta-2-Sympathomimetika:
    Diese Substanzen werden auf inhalativem Weg (Spray, Dosieraerosol) bei Asthma bronchiale angewandt.
  • Xanthin-Derivate (Theophyllin):
    Sie können bei Asthma bronchiale zur Anfallsvorbeugung (oral) oder zur Anfallsunterbrechung (intravenös) gegeben werden, zählen heute aber nicht mehr zu den bedeutenden Therapeutika.
  • Adrenalin: Adrenalin ist neben Vasopressin und Dopamin das wichtigste Notfallmedikament bei einem anaphylaktischen Schock. Es erweitert die Bronchien und erhöht den Blutdruck. Die Handhabung dieser Medikamente ist nicht ganz einfach, deshalb gehören sie primär in die Hände von erfahrenen Medizinern (z.B. Intensivmediziner, Anästhesisten, Notfallmediziner, Allergologen). In Form einer Fertig-Notfallspritze, eines so genannten Autoinjektors, kann Adrenalin auch dem Insektengift-Allergiker für die Notfallapotheke verschrieben werden (Einschulung erforderlich!).

Alle genannten Medikamente können die allergischen Symptome nur vorübergehend unterdrücken, aber keine endgültige Heilung bewirken. Die einzige Behandlung, die an der Ursache des allergischen Geschehens angreift, ist die Spezifische Immuntherapie ("Allergie-Impfung"). In der Regel werden Immuntherapien über Spritzen unter die Haut verabreicht, es gibt aber auch neuere Produkte, die es ermöglichen, die Impfung über Eintropfen in den Mund durchzuführen (so genannte SLIT).

 

Typ-IV-Allergie

Allergische Reaktionen dieser Gruppe laufen gänzlich anders ab als Typ-I-Allergien. Hier stehen im Zentrum der Reaktion nicht Antikörper (IgE) und die Mastzellen, sondern bestimmte Lymphozyten - ein weiterer wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems, der zwischen "selbst" und "fremd" unterscheidet. Kommt ein Patient mit antigenen Substanzen in Kontakt (z.B. bestimmte Metalle wie Nickel, Kobalt etc.), werden diese an körpereigene Eiweiße gebunden und bilden somit ein "nicht-selbst". Sensibilisierte Lymphozyten erkennen das (werden "stimuliert"), infolge werden immer mehr Abwehrzellen angelockt, die nach Stunden und vor allem Tagen ein Entzündungsinfiltrat bilden. Dies kann dann in einem Ekzem oder auch einem Arzneiausschlag resultieren, je nach Auslöser.

Deshalb nützt in diesem Bereich der Einsatz von Antihistaminika, Mastzellen-Stabilisatoren, Adrenalin, alpha- und beta-Mimetika nichts oder nicht viel - der wesentliche Therapieansatz besteht in der Gabe von Kortison. Glukokortikoide nehmen also in der Behandlung Typ-IV-allergischer Krankheiten eine zentrale Position ein, wobei Kortison nicht gleich Kortison ist.

Je nach Anwendungszweck stehen zur Verfügung:

  • Spray, Gel (für nässende Kontaktekzeme, damit das Kortison auch an seinen Wirkort in der Haut gelangen kann)
  • Milch, Creme (eher kühlend und austrocknend, ebenfalls für "leicht" nässende Ekzeme und fleckartige Arzneiausschläge)
  • Salben, Fettsalben (rückfettend, für ausgetrocknete Kontaktekzeme, auch für schuppende und papulöse Arzneiausschläge)

Darüber hinaus können auch verschiedene Wirkstärken unterschieden werden. In der nachfolgenden Liste ist eine kleine Auswahl örtlich an Haut oder Schleimhaut anzuwendender Kortisone in steigender Wirksamkeit zusammengestellt:

  • Hydrocortison: schwach wirksam, geringe Nebenwirkungen
  • Methylprednisolonaceponat, Momethasonfuroat: mittelstark wirksam
  • Clobetasol, Betamethasonvalerat: stark wirksam, auch potenziell stärkere Nebenwirkungen

Der Arzt wird die Verabreichungsform (Spray, Creme, Salbe etc.) und die Wirkstärke möglichst optimal dem Beschwerdebild anpassen. Der Verlauf der Erkrankung kann durchaus auch einen Wechsel der Präparate erforderlich machen.
Keinesfalls sollte der Patient eigenmächtig die empfohlene Therapie ändern (z.B. öfter als 2x täglich ein Präparat auftragen, dies erhöht die Wirkung nicht), um unkalkulierbare Nebenwirkungen hintanzuhalten. Ebenso sollte der Patient die Therapie nicht eigenmächtig abrupt absetzen. Schließlich muss der Arzt im Fall des Auftretens lokaler Infektionen (besonders Herpes simplex = Fieberblasen) unverzüglich informiert werden, damit eine Therapieumstellung erfolgen kann. Werden diese Punkte beachtet, ist auch eine längerfristige lokale Kortisontherapie als sehr sicher zu betrachten.

 

Welche unerwünschten Wirkungen können bei lokaler Kortisonanwendung auftreten?

Bei kurzfristigen Anwendungen von ein bis zwei Wochen treten aller Wahrscheinlichkeit nach keine unerwünschten Wirkungen auf. Beachtet werden muss, dass bei großflächiger Anwendung oder Anwendung an sehr dünner Haut (z.B. Augenlider, Genitalbereich) geringe Mengen an Kortison in den Körper aufgenommen werden können.

Werden Kortisone zu lange, d.h. Monate oder Jahre, kontinuierlich lokal angewendet, kann sich die Haut verdünnen, es können kleine rote Äderchen einsprießen, es kann zu einer so genannten Steroid-Akne kommen oder es finden sich Striae distensae (wie sie manchmal auch bei Frauen nach Geburten zu sehen sind).

Beispiel für Einsprossung von kleinen roten Äderchen und Striae distensae im Bereich der Achsel nach jahrelangem kontinuierlichen Anwenden von Kortison-Cremen

Bei langfristiger und nicht gut kontrollierter Anwendung am Auge kann es ebenfalls zu einer Verdünnung der Hornhaut kommen, außerdem zur Entwicklung eines grünen Stars.

Werden die oben angeführten Bedingungen aber beachtet und Kortisonpräparate korrekt eingesetzt, treten nur in sehr seltenen Fällen unerwünschte Wirkungen auf, und es überwiegt der Nutzen bei weitem alle Risiken.

Autor: Prof. Dr. Birger Kränke

Letzte Aktualisierung: Jänner 2005