Das unabhängige Gesundheitsweb für Österreich
netdoktor.at

HEALTH CENTER: Haut


NetDoktor-Expertin

Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera

Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera

Ärztin für Haut- und Geschlechts- krankheiten

Hautarztsuche

Hautarztsuche

Finden Sie einen Dermatologen in Ihrer Nähe
Fieberblasen (Herpes simplex labialis)

Diese weit verbreitete Krankheit wird durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht. Charakteristisch ist die Entstehung von kleinen, nässenden Bläschen auf geröteter Haut oder Schleimhaut. Die betreffende Stelle ist empfindlich und schmerzt. Die Bläschen verheilen ohne Narbenbildung, haben aber die Tendenz, wiederzukommen.

Es existieren zwei Arten des Herpes-simplex-Virus. Beide können die Haut, die Schleimhäute des ganzen Körpers und das Gehirn angreifen.

  • HSV Typ 1 ist die am häufigsten vorkommende Art. Sie ist in der Regel auf Mund und Lippen begrenzt.
  • HSV Typ 2 betrifft hingegen besonders die Geschlechtsteile. Die Zuteilung der beiden Typen zu den jeweiligen Lokalisationen ist aber nicht obligat.

Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen haben Antikörper gegen HSV Typ 1 im Blut, etwa 25 Prozent weisen Antikörper gegen HSV Typ 2 auf. Haben sich Antikörper gebildet, bedeutet dies, dass die betreffende Person schon einmal in Kontakt mit dem Virus war.


Warum bekommt man Fieberblasen?

Herpes labialis wird durch Tröpfchen-Infektion oder durch direkten Kontakt (z.B. beim Küssen oder Berühren der infizierten Stelle) übertragen. Auch das gemeinsame Benutzen von Trinkgefäßen durch Infizierte und Nicht-Infizierte kann zur Verbreitung von Fieberblasen führen. Der erste Kontakt mit dem Virus kann - meist unbemerkt - im Alter von drei bis fünf Jahren erfolgen.

HSV greift die obersten Zellen der Haut an, wo sich nässende Bläschen bilden. Von der Oberhaut bewegt sich das Virus über die Nervenbahnen zu den Nervenwurzeln. Hier bleibt es in einer Art Dämmerzustand, um bei geschwächtem Immunsystem wieder aktiv zu werden. Das Virus breitet sich dann auf umgekehrtem Weg wieder Richtung Haut aus und erscheint dort in Form von Fieberbläschen (Reaktivierung).

Auslöser für eine solche Reaktivierung können dabei fiebrige Infekte sein (Herpes febrilis), aber auch UV-Strahlung (Herpes solaris), Menstruation (Herpes menstrualis), Magen-Darm-Störungen sowie hormonelle (Schwangerschaft) und psychische Faktoren.


Wie bemerkt man Fieberblasen?

Die primäre Infektion erfolgt meist im Kindesalter und verläuft in über 90 Prozent der Fälle unscheinbar. Sie kann jedoch auch als Mundfäule (Gingivostomatitis herpetica acuta), als Mundausschlag mit Bläschen, Fieber, starken Schmerzen und Schluckbeschwerden, Lymphknotenschwellung und Unwohlsein auftreten.

Der erste Herpes-Ausbruch tritt zwei bis sieben Tage nach der Infektion auf. Im Laufe von acht bis zehn Tagen heilen die Fieberblasen aus. Zu einem späteren Zeitpunkt wird das Virus reaktiviert - ein neuer Lippenherpes entsteht.

Die Fieberblasen sind vor allem an den Lippen und rund um den Mund zu finden, können aber auch auf der übrigen Haut, z.B. an den Wangen, am Naseneingang, an den Ohrläppchen oder den Augen, selten auch am Gesäß (Herpes simplex glutealis) auftreten.

Die ersten Anzeichen von Lippenherpes sind Juckreiz und Spannungsgefühl, seltener auch Schmerzen. Binnen kurzer Zeit entstehen kleine, nässende Bläschen, die in weiterer Folge unter Krustenbildung abheilen. Die Kruste fällt nach etwa acht bis zehn Tagen ab. Bis der gesamte Lippenherpes mit Schorf bedeckt ist, kann man auch andere mit Herpes infizieren.
Etwa 30 Prozent der HSV-Infizierten haben im Laufe des Lebens wiederholt mit Lippenherpes zu kämpfen.


Wie diagnostiziert der Arzt Fieberblasen?

Oft reicht dem Arzt die Kombination aus der persönlichen Krankengeschichte und dem Aussehen des Lippenherpes, um die Diagnose zu stellen. Abstriche und eine Blutuntersuchung (nur sinnvoll bei einer Primär-Infektion) sichern die Diagnose.


Zu welchen Komplikationen kann es kommen?

  • Infektion der Wunde durch Bakterien
  • Ausbreitung der Krankheit zu den Augen mit möglicher Herabsetzung der Sehstärke (Herpes corneae)
  • Zu einer ausgesprochen schweren Ausbreitung kann es bei Kindern kommen, wenn ihre Haut durch Ekzeme bereits vorgeschädigt ist.
  • Gehirnentzündung durch Herpes
  • Der schwerste Herpesverlauf liegt dann vor, wenn die Abwehr des Patienten stark geschwächt ist, beispielsweise durch eine Chemotherapie oder bei Aids-Patienten.
  • Bei floridem Herpes genitalis sollte im Rahmen einer Schwangerschaft die Entbindung über einen Kaiserschnitt angestrebt werden, da sich das Neugeborene bei Durchtritt durch den Geburtskanal mit dem Virus infizieren kann. Dies kann beim Neugeborenen zu einem schweren Krankheitsbild mit einer Sterblichkeit von 30 Prozent führen.


Was sollte man selbst bei Lippenherpes beachten?

  • Vermeiden Sie die Berührung der Fieberbläschen, diese können auch auf andere Stellen des Körpers (wie etwa Finger oder Genitalbereich) übertragen werden.
  • Nach einer Berührung der Bläschen Hände waschen.
  • Allgemein gesunde Lebensweise mit abwechslungsreicher Kost, Sport und ausreichend Schlaf stärkt das Abwehrsystem des Körpers.
  • Trinkgefäße nicht mit anderen gemeinsam benützen.


Was kann der Arzt tun?

  • Der Arzt untersucht, ob eine Behandlung erforderlich ist. Die Behandlung sollte so früh wie möglich einsetzen, das heißt, sobald man die ersten Anzeichen von Fieberblasen bemerkt.
  • Lokal kann man die Fieberbläschen mit antiseptischen Zusätzen trockenpinseln oder eine virustatische Creme auftragen.
  • In wiederholten Fällen von schwerem Lippenherpes wird Ihnen Ihr Arzt möglicherweise virustatische Tabletten verordnen.


Prognose

Eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) mit HSV Typ 1 (selten HSV Typ 2) kann unter Umständen lebensbedrohlich sein. Dieses Risiko ist allerdings sehr gering.
In der Regel ist die Prognose gut.

Autorin: Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera

Letzte Aktualisierung: März 2005

zum Health Center Haut