HEALTH CENTER: MANN & POTENZ
Ursachen der Erektilen Dysfunktion
Psychische Auslöser
Die Lust - und damit auch jede
Erektion - entsteht im Kopf. Kein Wunder also, dass negative Empfindungen
die Libido bremsen, bevor sie überhaupt in Fahrt kommt. Dazu
gehören seelische Erschütterungen, aber auch Stress, Frustrationen,
Sorgen und vor allem Ängste.
Psychologen und Sexualwissenschafter sehen eine Erektionsstörung
daher auch weniger als lästige körperliche Störung. Für sie sind
Erektionsstörungen oft verschlüsselte Botschaften der Seele. Wenn der Penis
sich tot stellt, können Ängste und Hemmungen, Ärger mit der Partnerin,
aber auch ein Protest gegen Leistungsdruck und Stress dahinter stecken.
Lädiertes Selbstbewusstsein
Bei jungen Männern sind körperliche Probleme als Auslöser einer Erektilen Dysfunktion (ED) vergleichsweise selten. Bei ihnen liegt der Schlüssel zum sexuellen Glück häufig großteils im eigenen Kopf verborgen. Männer, die in ihrer persönlichen Entwicklung noch nicht stabilisiert oder gehemmt sind und denen es an Selbstbewusstsein mangelt, sind besonders anfällig für Störungen. Oft genügt schon eine Panne beim "ersten Mal" - und der Teufelskreis aus Angst vor dem Versagen und realem Problem setzt sich in Gang. Aber auch Männer, bei denen die Erektile Dysfunktion auf organischen Ursachen beruht, können rasch in eine Krise schlittern, wenn ihr bestes Stück streikt. Denn selbst bei gestandenen Vertretern des starken Geschlechts nagen Potenzprobleme tüchtig an der männlichen Identität und dem Selbstbewusstsein.
Hilfe bei Potenzkrisen
Oft ist in der Potenzkrise neben ärztlicher auch professionelle seelische Unterstützung hilfreich. Mitunter genügen schon einige Gespräche mit einem erfahrenen Sexualberater, um die Dinge wieder ins Lot zu rücken und das lädierte Selbstbewusstsein auf Vordermann zu bringen. In manchen Fällen kann jedoch eine echte psychische Erkrankung hinter dem Symptom ED stecken. Es gibt jedoch auch das gegenteilige Verhalten: Einige Patienten bleiben selbst im größten Gefühlstief sexuell aktiv. Für sie gehören Sex und Zärtlichkeit zu den wenigen Dingen, die ihnen gut tun.
Lust und Glück: Boten im Kopf
Ein Blick in den Hirnstoffwechsel zeigt: Die Evolution hat Glücks- und Lustgefühle ersonnen, um Mensch und Tier zu lebenserhaltenden Aktivitäten zu motivieren: Nahrungsaufnahme, Arterhaltung, Sex. Hervorgerufen werden diese Gefühle durch bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Dazu gehören vor allem Dopamine, die den Antrieb stärken, und das Glückshormon Serotonin.
Gestörter Hirnstoffwechsel
Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und Suchtkrankheiten ist das System im Gehirn gestört. Und damit gerät auch das Sexualleben aus dem Gleichgewicht. Beispielsweise sind sexuelle Störungen neben dem Gefühl innerer Leere, tiefer Verzweiflung sowie Schlaf- und Appetitstörungen eines der wichtigsten Symptome einer Depression. Das Gehirn läuft auf "Sparflamme", was die Lust stark dämpfen kann. Bei Männern treten deshalb häufig Erektionsprobleme auf, während depressive Frauen eher unter Orgasmusstörungen leiden. Meist verschwinden die sexuellen Probleme, wenn man die Krankheit in den Griff bekommen hat.
Zurück ins Gleichgewicht
Stellt sich heraus, dass eine Depression oder eine andere seelische Erkrankung die Ursache für die Erektionsstörung ist, muss zunächst die Psyche stabilisiert werden. Das kann auf medikamentösem Wege und/oder über Psychotherapie erfolgen. In einer kognitiven Verhaltenstherapie werden beispielsweise krank machende, innere Überzeugungen wie "Mir gelingt nichts", "Ich bin nichts wert" oder "Mich kann sowieso niemand lieben" aufgelöst und schrittweise durch positivere Bilder ersetzt. Im Rahmen einer Psychoanalyse werden tief sitzende seelische Erschütterungen aus der Vergangenheit aufgearbeitet und so eine gesunde Basis für die Zukunft geschaffen.
Psychomedikamente als Lustbremsen
In einigen Fällen sind es jedoch
die Medikamente selbst, welche die sexuelle Aktivität hemmen. In einem
solchen Fall sollte der Patient gemeinsam mit seinem Arzt oder seiner
Ärztin über einen Wechsel des Medikaments nachdenken.
Autorin: Christiane Fux, NetDoktor.de
Überarbeitet von: Jochen Niehaus (Arzt), NetDoktor.at
Letzte Aktualisierung: November 2006


