HEALTH CENTER: IMPFEN
Masern
Masern sind eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch das Masern-Virus (Morbilli-Virus, ein Paramyxovirus) übertragen wird. Es handelt sich hierbei um eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt: Praktisch jeder nicht-immune Mensch, der Kontakt mit einem Masern-Kranken hat, steckt sich mit dem Erreger an. Das Virus wird meist durch Tröpfcheninfektion - also Sprechen, Niesen, Husten - übertragen, wobei die Ansteckung auch über größere Distanzen, etwa von einem Raum zum anderen, erfolgen kann.
Bei typischem Verlauf der Erkrankung kommt es etwa acht bis 14 Tage nach der Ansteckung zu Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und einer Bindehautentzündung des Auges. Am zweiten bis dritten Krankheitstag kommt es zu einer Rötung des Gaumens und typischen weißen Flecken an der Wangenschleimhaut, danach zu einem Abfall des Fiebers und ab etwa dem vierten Krankheitstag zum Auftreten des charakteristischen roten, fleckigen Hautausschlags. Dieser breitet sich vom Gesicht über den ganzen Körper aus und geht nach etwa einer Woche unter Bildung von Schuppen wieder zurück.
Wer einmal an Masern erkrankt ist, hat in der Regel einen lebenslangen Schutz. Man kann Masern also nur einmal bekommen.
Warum impfen?
Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit: Schätzungen der WHO zufolge erkrankten im Jahr 2000 weltweit etwa 30 bis 40 Millionen Menschen an Masern. Mehr als eine dreiviertel Million Menschen - vor allem Kinder aus armen Ländern - verstarben an der Erkrankung. In Österreich kommt es immer wieder zu Masernfällen, obwohl dies durch konsequentes Impfen zu vermeiden wäre. Liegt die Durchimpfungsrate der Bevölkerung unter 95 Prozent, ist alle fünf bis sieben Jahre mit dem Auftreten einer Epidemie zu rechnen. Die letzte größere derartige Epidemie trat in Österreich 1995/96 auf.
Durch die Infektion mit den Masernviren wird das menschliche Immunsystem stark geschwächt. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es infolge zu einer Mittelohrentzündung (Otitis media), die meist durch Bakterien hervorgerufen wird (sog. bakterielle Superinfektion). Bei etwa jedem zwanzigsten Masernfall kommt es zu einer Bronchitis oder Lungenentzündung (Pneumonie), die durch das Virus selbst oder durch eine eine bakterielle Superinfektion ausgelöst wird.
Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die sogenannte Masernenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns, die bei etwa einer von 1.000 bis 2.000 Erkrankungen auftritt und in etwa 10 bis 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft. In weiteren 20 bis 40 Prozent der Fälle kommt es zu bleibenden Folgeschäden. In extrem seltenen Fällen kann als Spätfolge einer Masernerkrankung eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten, eine langsam verlaufende Gehirnerkrankung, die tödlich endet.
Darüber hinaus besteht während einer Infektion mit Masern ein erhöhtes Risiko, an Diphtherie, Keuchhusten oder Tuberkulose zu erkranken.
Die Impfung gegen Masern ist besonders wichtig, weil eine einmal voll ausgebrochene Erkrankung nicht ursächlich behandelt werden kann. Gegen die bakteriellen Superinfektionen hingegen können Antibiotika eingesetzt werden.
Was bewirkt die Impfung im Körper?
Der Masernimpfstoff enthält den abgeschwächten lebenden Erreger, es handelt sich also um einen Lebendimpfstoff.
Nach der Injektion bildet der menschliche Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Virus, es kommt also zu einer aktiven Immunisierung, die einen lang anhaltenden, hochwertigen Schutz bietet. Stecken sich Geimpfte mit dem Erreger an, ist das Immunsystem bereits auf diesen vorbereitet und kann ihn erfolgreich bekämpfen.
Nicht Geimpfte, die Kontakt mit einem Masernkranken hatten, können durch passive Immunisierung geschützt werden. Dabei werden ihnen fertige Antikörper (humanes Immunglobulin) verabreicht, die den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest abschwächen können.
Achtung: Der Impfstoff ist sehr temperaturempfindlich und kann bei Lagerung außerhalb des Kühlschrankes innerhalb weniger Stunden inaktiv werden.
Wann und wie oft soll man impfen?
Gemäß Österreichischem Impfplan findet die Grundimmunisierung gegen Masern im zweiten Lebensjahr zusammen mit den Impfungen gegen Mumps und Röteln statt. Die Impfung enthält alle drei Komponenten (Masern, Mumps, Röteln). Impfstoffe, die nur eine der drei Komponenten enthalten, sind zurzeit in Österreich nicht erhältlich.
Die Impfung wird zwei Mal verabreicht, wobei zwischen den beiden Impfungen ein Mindestabstand von vier Wochen vorgeschrieben ist. Die beiden Masernimpfungen sollten im zweiten Lebensjahr - und damit vor dem Eintritt in den Kindergarten - durchgeführt werden. Kinder, deren Mütter Masern durchgemacht haben, besitzen durch die mütterlichen Antikörper bis etwa ins achten Monat einen sogenannten Nestschutz.
Grundsätzlich kann die Impfung in jedem Lebensalter verabreicht werden. Wird eine Impfung versäumt, so sollte sie möglichst bald nachgeholt werden. Bei Schuleintritt sowie im 13. Lebensjahr sollte der Impfschutz für Masern/Mumps/Röteln jedenfalls nochmals kontrolliert werden und gegebenfalls die fehlende(n) Impfung(en) nachgeholt werden. Erwachsene, die Masern (bzw. Mumps oder Röteln) nicht durchgemacht haben bzw. nicht zwei Mal gegen Masern/Mumps/Röteln geimpft wurden, sollten dies unbedingt nachholen, da diese "Kinderkrankheiten" im Erwachsenenalter oft gefährlicher als bei Kindern verlaufen. Vorallem bei jungen Erwachsenen unter 30 Jahren ist es in letzter Zeit gehäuft zu Masern- und Mumpsausbrüchen gekommen, da sie aufgrund von mangelnden Vorimpfungen keinen Schutz besaßen.
Viele Patienten sind überzeugt, in jungen Jahren gewisse - oder gar "alle" - Kinderkrankheiten durchgemacht zu haben bzw. vertrauen den diesbezüglichen Angaben ihrer Mütter oder anderer naher Verwandter. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass derartige Angaben oft nicht stimmen. Sollte jemand nicht sicher sein, ob er Masern (bzw. Mumps oder Röteln) schon durchgemacht hat, sollte in jedem Fall geimpft werden. Keine Angst, ein so genanntes "Überimpfen" ist nicht gefährlich. Denn hat jemand Masern (bzw. Mumps oder Röteln) bereits durchgemacht oder wurde gegen eine oder mehrere dieser Erkrankungen geimpft, neutralisieren die bereits im Körper vorhandenen Antikörper das im Impfstoff enthaltene abgeschwächte Virus, wie sie es mit auf natürlichem Weg erlangten Erregern tun.
Hat ein nicht Geimpfter Kontakt mit einem Masernkranken, so kann innerhalb der nächsten drei Tage die Impfung noch im Nachhinein gegeben werden. Es bestehen gute Chancen, dass der Ausbruch der Erkrankung dadurch verhindert wird. Bei Menschen mit gesundem Abwehrsystem wird hierzu die aktive Immunisierung mittels Lebendimpfstoff gewählt, bei Kranken oder Immunsupprimierten die passive Immunisierung mit fertigen Antikörpern.
Wann sollte die Impfung unterbleiben?
Bei fieberhaften oder ernsthaften Erkrankungen sollte die Impfung in Absprache mit dem behandelnden Arzt verschoben werden. In diesen Fällen bildet das Immunsystem womöglich nicht ausreichend Abwehrstoffe gegen das abschwächte Masernvirus. Auch bei Erkrankung des Immunsystems oder bei Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem hemmen, sowie nach Verabreichung von Bluttransfusionen oder antikörperhaltigen Medikamenten empfiehlt es sich, vor einer Impfung Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten. Eine normale Erkältung (grippaler Infekt) hingegen ist kein Hindernis für eine Impfung.
Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß sollten vor einer geplanten Impfung unbedingt Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten.
Schwangeren sollte die Impfung nicht gegeben werden und nach einer Impfung sollte eine Schwangerschaft für vier Wochen vermieden werden.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
An der Injektionsstelle kann es zu leichten Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder kleinen Verhärtungen kommen, die meistens von alleine bald wieder verschwinden.
Zudem können die abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Erreger, die im Masernimpfstoff enthalten sind, nach etwa einer Woche bei bis zu fünf Prozent der Impflinge leichtes Fieber sowie einen flüchtigen Hautausschlag (sogenannte Impfmasern) hervorrufen. Ebenso kann die gleichzeitig verabreichte Mumpsimpfung zu einer vorübergehenden Schwellung der Ohrspeicheldrüsen führen, die Rötelnimpfung ebenfalls einen Hautausschlag oder Gelenksschmerzen hervorrufen. Die Impfviren sind allerdings nicht ansteckend und können nicht auf andere Personen übertragen werden.
In äußerst seltenen Fällen kommt es zu einer vorübergehenden Verringerung der Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie). Extrem selten kann es nach der Impfung zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Nervensystems kommen. Schätzungen zufolge kommt es bei einer Million Impfungen zu einem einzigen derartigen Fall. Zum Vergleich: Die Masern selbst rufen derartige Komplikation in etwa einem von tausend Fällen hervor.
Die Masernimpfung (bzw. die Masern/Mumps/Röteln-Impfung) wurde in der Vergangenheit mit einem gehäuften Auftreten von Autismus in Zusammenhang gebracht. Mittlerweile konnte allerdings durch breit angelegte Studien nachgewiesen werden, dass dies nicht der Fall ist.
Wie hoch ist der Impfschutz und wie lange hält er an?
Nach der ersten Impfung besteht eine Schutzrate von etwa 95 Prozent. Daher ist im österreichischen Impfplan auch eine zweite Impfung vorgesehen, nach dieser liegt der Schutz bei annähernd 100 Prozent und hält vermutlich ein Leben lang.
Besondere Hinweise:
Die Masernimpfung ist bei Studienaufenthalten in den USA eine Pflichtimpfung.
Autor: Dr. Matthias Thalhammer
Quellen:
The evidence for the elimination of rubella and congenital rubella syndrome in the United States: a public health
achievement. In: Clinical Infectious Dieseases (43) 2006 Suppl 3, S. 123-125.
Madsen, Hviid, Vestergaard, Schendel, Wohlfahrt, Thorsen, Olsen, Melbye: A Population-Based Study of Measles,
Mumps, and Rubella Vaccination and Autism. In: New England Journal of Medicine (347) 2001, S. 1477-1482.
Kayser, Böttger, Zinkernagel: Medizinische Mikrobiologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2005.
Riede, Schäfer, Werner: Allgemeine und spezielle Pathologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2004.
Gerd Herold: Innere Medizin. Eigenverlag 2005.
Österreichisches Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (www.bmgf.gv.at)
Weltgesundheitsorganisation (www.who.int/en)
Robert Koch Institut (www.rki.de)
Letzte Aktualisierung: Februar 2007

