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Pneumokokken
Das Bakterium Streptococcus pneumoniae (in der Mehrzahl meist als Pneumokokken bezeichnet) ist im Nasen-Rachen-Raum des Menschen angesiedelt und wird durch Tröpfcheninfektion - also Sprechen, Niesen oder Husten - übertragen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist Keimträger, üblicherweise verursachen die Bakterien bei ihrem Wirt aber keine Erkrankung. Bei Kleinkindern, älteren Menschen, chronisch Kranken oder Personen mit Immunschwäche können Pneumokokken allerdings gefährliche Entzündungen hervorrufen.
Es sind über 80 verschiedene Typen von Streptococcus pneumoniae bekannt, 23 davon sind für mehr als 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich. Pneumokokken verursachen vor allem bei Kleinkindern Mittelohrentzündungen, der Erreger kann sich vom Mittelohr aber auch auf benachbarte Strukturen ausdehnen. Besonders gefürchtete Komplikation ist die eitrige Gehirnhautentzündung (Meningitis), an der 60 bis 80 Prozent der Patienten versterben.
Die Meningitis kann auch als alleinige Manifestation einer Pneumokokken-Infektion auftreten oder infolge einer Lungenentzündung (Pneumonie). Letztere betrifft vor allem ältere Menschen. Oft ist ein ganzer Lungenlappen betroffen, schweres Krankheitsgefühl, Atemnot und hohes Fieber sind die Folge. Auch das Rippenfell und der Herzbeutel können mitbetroffen sein. Werden die Bakterien in die Blutbahn eingeschwemmt, kann es zu einer gefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) kommen. Manchmal kann eine Pneumokokken-Infektion so rasch und aggressiv verlaufen, dass selbst durch intensivmedizinische Maßnahmen der Tod des Patienten nicht zu verhindern ist.
Warum impfen?
Pneumokokken-Erkrankungen zählen hierzulande zu den häufigeren schwer verlaufenden Infektionskrankheiten: Durch das Bakterium werden Schätzungen zufolge jährlich 18.000 Pneumonie-Fälle hervorgerufen. Besonders bei älteren Menschen, Kleinkindern sowie Personen mit Immunschwäche oder chronischen Erkrankungen kann es zu schweren Verlaufsformen kommen. Zwar lässt sich das Bakterium Streptococcus pneumoniae mittels Antibiotika bekämpfen, deren Einsatz kommt aber manchmal zu spät.
Eine einmal durchgemachte Pneumokokken-Erkrankung (z.B. Lungenentzündung) macht nur gegen einen einzigen Stamm immun. Der Impfstoff bewirkt hingegen eine Immunität gegen sieben bzw. 23 Stämme.
Was bewirkt die Impfung im Körper?
Die Pneumokokken-Impfung enthält nicht-vermehrungsfähige Bestandteile des Erregers, die für die Auslösung einer Immunantwort notwendig sind, es handelt sich um einen Totimpfstoff. Der Impfstoff enthält charakteristische Oberflächenstrukturen des Bakteriums, so genannte Kapselpolysaccharide.
Für Kleinkinder unter fünf Jahren gibt es seit 2003 einen speziellen Impfstoff. Vor allem bei kleinen Kindern reagiert das Immunsystem auf Kapselpolysaccharide nur mit einer unzureichenden Antwort - mithilfe eines bestimmten Vorgehens (der Impfstoff wird konjugiert) wird die Antwort verbessert.
Der konjugierte Impfstoff (PNC) enthält sieben verschiedene Typen von Kapselpolysacchariden. Damit werden bis zu 80 Prozent der bei Kindern vorkommenden Bakterien-Stämme abgedeckt. Schätzungen zufolge sind Kinder gegen 90 Prozent der Meningitis erregenden sowie 85 Prozent der für Sepsis verantwortlichen Stämme geschützt, vor Mittelohrentzündungen hingegen nur teilweise.
Der unkonjugierte Impfstoff (PNE) enthält 23 verschiedene Typen von Kapselpolysacchariden und deckt damit etwa 90 Prozent der durch Pneumokokken hervorgerufenen Erkrankungen ab. Da ein unkonjugierter Impfstoff bei Kleinkindern nur einen unzureichenden Schutz hervorrufen würde, ist er älteren Kindern und Erwachsenen vorbehalten.
Nach der Impfung produziert der menschliche Körper Abwehrstoffe (sog. Antikörper) gegen das Bakterium, es kommt also zu einer aktiven Immunisierung. Stecken sich Geimpfte mit echten Pneumokokken an, werden diese von den Antikörpern abgefangen. Dadurch wird ein Ausbruch der Erkrankungen verhindert.
Wann und wie oft soll man impfen?
Der konjugierte Impfstoff (PNC) wird bis zum fünften Lebensjahr verabreicht. Danach wird eine Pneumokokken-Impfung für Kinder als nicht mehr erforderlich erachtet (ausgenommen sind die unten angeführten Hochrisikogruppen). Zur Verhinderung schwerer Erkrankungen sollte die PNC-Impfung möglichst früh verabreicht werden. Dies kann gleichzeitig mit der ersten Sechsfach-Impfung geschehen oder in einem Abstand von 14 Tagen dazu. Bei einem so frühen Impfbeginn sind allerdings drei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen erforderlich. Bei einem späteren Beginn (nach dem sechsten Monat) reichen schon zwei Dosen. Anzahl und Abstände der erforderlichen Impfungen variieren also in Abhängigkeit vom Alter des Kindes bei der Erstimpfung und sind im folgenden Impfschema dargestellt.
| Impfung(en) im Alter von | ||||
Erstimpfung |
3 - 6 Monaten | 7 - 12 Monaten | 2. Lebensjahr | 3. - 5. Lebensjahr |
| < 6. Monat | 3 x PNC * | PNC | ||
| 7. - 12. Monat | 2 x PNC * | PNC | ||
| 13. - 24. Monat | 2 x PNC ** | |||
| 3. - 5. Lebensjahr | PNC | |||
* 4 Wochen Abstand
** 8 Wochen Abstand
Nach dieser Grundimmunisierung ist keine weitere Auffrischungsimpfung mehr notwendig.
Dies gilt jedoch nicht für Hochrisikogruppen, etwa:
- Menschen mit angeborener oder erworbener Abwehrschwäche (z.B. Hypogammaglobulinämie) oder Patienten ohne Milz
- Patienten mit bestimmten Innenohrdefekten (z.B. Liquorfistel)
- Patienten bei geplanter Unterdrückung des Abwehrsystems (Immunsuppression) vor Organtransplantationen bzw. nach Stammzelltransplantationen
- HIV-Infizierte
Kinder aus Hochrisikogruppen sollten nach der Grundimmunisierung mit PNC zusätzlich eine Impfung mit PNE erhalten, die eventuell nach drei bis fünf Jahren aufgefrischt werden sollte (Detaillierte Empfehlungen für Personen mit Abwehrschwäche finden sich auf der Internet-Seite der Ständigen Impfkommission am deutschen Robert Koch Institut ).
Weitere durch Pneumokokken besonders gefährdete Gruppen sind Frühgeborene, Neugeborene mit niedrigem Geburtgewicht sowie Kinder mit Gedeihstörungen, darüber hinaus Patienten mit chronischen Krankheiten (z.B. Diabetes, Leberzirrhose).
Der unkonjugierte Impfstoff (PNE) wird für alle über 60-Jährige empfohlen. Eine einmalige Impfung sollte für etwa zehn Jahre schützen. Bei entsprechendem Risiko - wenn etwa der Patient bereits einmal an Pneumokokken erkrankt ist oder an einer chronischen Krankheit leidet - wird eine Auffrischung alle fünf Jahre empfohlen.
Es empfiehlt sich, die Pneumokokken-Impfung mit der Influenza-Impfung zu kombinieren (wobei die Impfung gegen Grippe jährlich, die gegen Pneumokokken alle fünf Jahre durchgeführt wird). Denn bei sehr vielen älteren Menschen, die an Influenza erkranken, führt die Verschlechterung der Abwehrlage dazu, dass sie auch an Pneumokokken erkranken.
Wann sollte die Impfung unterbleiben?
Bei hohem Fieber (über 38 Grad) oder einer schweren entzündlichen Erkrankung sollte die Impfung in Absprache mit dem behandelnden Arzt verschoben werden. In diesen Fällen bildet das Immunsystem womöglich nicht ausreichend Abwehrstoffe. Auch bei Erkrankungen des Immunsystems oder bei Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem hemmen, empfiehlt es sich, vor einer Impfung Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten.
Eine normale Erkältung (grippaler Infekt) hingegen ist kein Hindernis für eine Impfung.
Nicht geimpft werden sollte bei einer Allergie gegen einen der Bestandteile des Impfstoffs.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
An der Injektionsstelle kann es zu leichten Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder kleinen Verhärtungen kommen, die meist von alleine und bald wieder verschwinden. Zudem kann es zu Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf-, Muskel- und Gelenksschmerzen kommen. Wenn die PNE-Impfungen in kürzeren Abständen als fünf Jahren gegeben werden, kann es mitunter zu starken Reaktionen an der Einstichstelle kommen.
Wie hoch ist der Impfschutz und wie lange hält er an?
Bei den konjugierten Impfstoffen (PNC) liegt die Schutzrate gegen die im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Typen bei über 90 Prozent, nach der Grundimmunisierung sind gesunde Kindern für mehrere Jahre geschützt. Bei den unkonjugierten Impfstoffen (PNE) beträgt der Schutz je nach Alter und vorhandenen Grunderkrankungen zwischen 60 und 90 Prozent und hält bis zu zehn Jahre an.
Autor: Dr. Matthias Thalhammer
Quellen:
Giebink G. S.: Current Concepts: The Prevention of Pneumococcal Disease in Children. In: New England Journal of Medicine (345)
2001, S. 1177-1183.
Kayser, Böttger, Zinkernagel: Medizinische Mikrobiologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2005.
Riede, Schäfer, Werner: Allgemeine und spezielle Pathologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2004.
Gerd Herold: Innere Medizin. Eigenverlag 2005.
Österreichisches Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (www.bmgf.gv.at)
Weltgesundheitsorganisation (www.who.int/en)
Robert Koch Institut (www.rki.de)
Letzte Aktualisierung: Februar 2007
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