HEALTH CENTER: Männergesundheit
Stopp-Start-Methode
Die sexuelle Erregung des Mannes steigt mehr oder weniger schnell an. Im Fall eines vorzeitigen Orgasmus ist diese so genannte Kontrollphase häufig nur sehr kurz, weil die Erregung derart stark ist, dass der "point of no return" schnell überschritten wird. Von den US-amerikanischen Sexualwissenschaftern Masters und Johnson wird diese Schwelle als "Unvermeidlichkeitspunkt" bezeichnet, da bei dessen Erreichen eine Ejakulation nicht mehr aufzuhalten ist.
Der Psychologe und Sexualwissenschafter Bernie Zilbergeld sowie eine Reihe anderer namhafter Sexualtherapeuten gehen davon aus, dass sich die meisten Männer diese Kontrollfähigkeit aneignen können. Bei der Stopp-Start-Methode lernt Mann zunächst einmal seine eigene sexuelle Reaktion kennen, bevor er in weiterer Folge mit dem "Training" beginnt.
Welches Ziel verfolgt die Stopp-Start-Technik und wie funktioniert sie?
Primäres Ziel des Trainings ist die Verlängerung der Kontrollphase. Männer ohne diesbezügliche Probleme sind meist gar nicht in der Lage, zu schildern, was sie beim Geschlechtsverkehr machen, um den Höhepunkt zu verzögern. Manches läuft einfach völlig unbewusst ab. Viele Männer geben an, während der Erregungs- oder Kontrollphase beispielsweise die Intensität der Bewegung oder die Stellung zu verändern, so dass die Stimulation nachlässt. Und genau das wird bei der Stopp-Start-Technik trainiert. Der Mann soll lernen, sich auf die eigene Erregung zu konzentrieren und sie wahrzunehmen.
Herausgefunden und erlernt werden soll:
- wo der Unvermeidlichkeitspunkt liegt
- wie er schnell erreicht wird
- wie er weniger schnell erreicht wird
- wie er gar nicht erreicht wird.
Voraussetzung für die Stopp-Start-Technik ist die Erektionsfähigkeit des Penis. Sollten Erektionsstörungen vorliegen, sind diese zuerst zu behandeln.
Der Weg zur Kontrollfähigkeit:
Bei den Übungen - sie sollten mindestens drei bis vier Mal pro Woche durchgeführt werden - muss zunächst vermieden werden, dass der Unvermeidlichkeitspunkt erreicht wird. Bevor man zu dieser Schwelle gelangt, ist die Stimulation zu stoppen. Ist die Erregung gesunken, kann man diese wieder fortsetzen. Nach etwa 15 Minuten darf der Unvermeidlichkeitspunkt letztlich überschritten werden und der Samenerguss stattfinden. Sollte es vorher zum unbeabsichtigten Höhepunkt kommen, ist dies kein Grund zum Verzweifeln. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt besser. In der Stopp-Phase sollte das prickelnde Gefühl der Erregung wahrgenommen und genossen werden, Entspannung sollte eintreten. Einige Male tief ein- und ausatmen fördert zusätzlich die Entspannung!
Beim Erlernen der Stopp-Start-Technik ist es wichtig, für einige Wochen auf den Geschlechtsverkehr mit Gliedeinführung zu verzichten.
Ejakulationskontrolle bei der Selbstbefriedigung
Zunächst sollte die Ejakulationskontrolle nach Ansicht von Zilbergeld durch Masturbation erfolgen. Dabei ist die klassische Form der Masturbation anzuwenden, bei der das Glied durch Auf- und Abwärtsbewegungen der Hand stimuliert wird. Selbstbefriedigung sollte nicht als reine Ersatzfunktion verstanden werden, die nur dann zum Tragen kommt, wenn der Sexualpartner fehlt.
- Die Masturbation erfolgt mit trockener Hand. Das Ziel dabei ist es, innerhalb von 15 Minuten maximal ein bis zwei Mal zu unterbrechen, bevor der Unvermeidlichkeitspunkt überschritten wird.
- Dann verwendet man für die gleiche Übung Gleitmittel. Ziel und Zeitvorgabe bleiben gleich.
- Die Stopp-Phase soll durch andere, weniger erregende Stimulationen ersetzt werden. Also nicht einfach aufhören zu masturbieren, sondern andere Feinregulationen finden, die zu einer Verminderung der Erregungsintensität führen.
Ejakulationskontrolle mit Partnerin:
Grundsätzlich gilt, die Übungen nicht einfach durchzuspielen und abzuhaken, sondern nach Möglichkeit in das Liebesspiel einzubauen. Zunächst sollte die Partnerin über die Übungen informiert werden, Zeichen für Stopp und Start sind abzuklären. Es ist wichtig, immer die eigene Erregung in den Vordergrund zu stellen und sich darüber bewusst zu sein. Die Stopp-Start-Technik sollte für beide Partner mit Genuss und Spaß verbunden sein.
- Die Partnerin masturbiert zunächst den Penis trocken. Der Mann gibt Anweisungen, wie die Masturbation erfolgen sollte, was er als erregend empfindet und wann zu stoppen ist. Dabei ist nur die Konzentration auf die Empfindungen beim Streicheln und die damit verbundene sexuelle Lust wichtig. Wenn sich diese steigert und der Unvermeidlichkeitspunkt naht, ist die Stimulation zu unterbrechen, infolge sollte die Erregung wieder abnehmen. Anschließend darf die Partnerin die Stimulation wieder aufnehmen, bis nochmals eine Stopp-Phase erreicht wird. Auch bei diesen "Übungen" sollten 15 Minuten durchgehalten werden, bis es schlussendlich zur Ejakulation kommt. Mit der Zeit wird der Samenerguss für den Mann immer besser kontrollierbar. Die Ausdauer erhöht sich und die Partnerin wird den Penis immer länger stimulieren können. Wenn das der Fall ist, kann mit den Übungen fortgefahren werden.
- Die Partnerin stimuliert den Penis mit Gleitmittel. Das Vorgehen erfolgt wie bei Punkt 1 beschrieben. Wird auch hier eine Zeitspanne von ca. 15 Minuten erreicht, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden. Die Feinregulation soll erlernt und geübt werden. Während der Stimulation durch die Partnerin soll durch eine Änderung des Verhaltens bzw. durch eine Änderung der Geschwindigkeit bei der Bewegung das Erregungsniveau verändert werden.
- Wenn es keinerlei Vorbehalte gibt, ist diese Übung beim Oralverkehr fortzuführen. Auch dabei ist es Ziel, eine Viertelstunde ohne unkontrollierte Ejakulation durchzuhalten.
- Die weiteren Übungen bestehen darin, sich mit dem Penis immer mehr der Scheide zu nähern. Zunächst nur der Schamregion, dann auch weiter in Richtung der Schamlippen. Mit der Zeit wird es möglich sein, den Penis einzuführen, ohne dass es gleich zu einer Ejakulation kommt. Wichtig ist, dass man sich in der Übungsphase nicht entmutigen lässt. Es gibt immer Tage, an denen es nicht gut klappt, so wie es Tage gibt, an denen es besonders toll funktioniert. Sex ist auch nicht jeden Tag gleich!
Wann "darf" der Penis eingeführt werden?
Hat der Mann mit seinem Penis die Scheide erreicht, so soll er laut Zilbergeld erst einmal "schnell kommen", um den Unvermeidlichkeitspunkt neu kennen zu lernen.
Die weiteren Übungen:
Langsames Eindringen in die Scheide, langsames Gewöhnen und Lernen, sich darin zu entspannen.
In der Folge soll die Auswirkung auf die Erregung festgestellt werden, wenn:
- sich nur einer/eine bewegt
- sich beide gemeinsam bewegen
- andere Stellungen ausprobiert werden
Kommt es bei der Durchführung der Übungen zu Unzufriedenheit oder weiterhin zur vorzeitigen Ejakulation, sollte man sich an einen Sexualtherapeuten wenden oder andere Techniken ausprobieren.
Vorzeitiger Samenerguss
Kontraktionsübungen nach Kegel
Squeezing-Technik
Medikamentöse Therapie
Therapiemaßnahmen
Autorin: Dr. Britta Bürger
Letzte Aktualisierung: März 2003

