HEALTH CENTER: Multiple Sklerose
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Diäten und Nahrungs-Ergänzung bei MS
Patientinnen und Patienten mit der neurologischen Erkrankung Multiple Sklerose (MS) sehen sich mit einer Fülle von speziellen Ernährungsempfehlungen konfrontiert. In der Folge finden Sie eine Bewertung verbreiterer Diäten und häufig angebotener Nahrungsergänzungsmittel.
Eine streng vegane Ernährung erfordert profundes Wissen über mögliche Mangelzustände und deren Vermeidung. Nachdem eine positive Wirkung auf den Verlauf der Multiplen Sklerose bislang nicht belegt werden konnte, kann diese Art der Ernährung aktuell nicht empfohlen werden. Eine vegetarische Kost, bei der auch Milchprodukte und Eier auf dem Speiseplan stehen, ist dagegen empfehlenswert.
Die Fratzer oder Hebener Diät zielt auf eine Reduktion von Omega-6- und eine vermehrte Zufuhr von Omega-3 Fettsäuren ab, was prinzipiell günstig ist. Die relativ hohen Kosten für Nahrungsergänzungsmittel (Fischölkapseln, Muschelfleisch-Extrakte, Selen, Vitamin E, Vitamin B, Coenzym Q10) sowie die regelmäßige Einnahme von Kortison lassen diese Diät jedoch nicht empfehlenswert erscheinen.
Auch die Swank-Diät zielt auf eine Reduktion tierischer Fette ab, in deren Stelle mehr pflanzliche Öle und zusätzlich Lebertran konsumiert werden sollen. Dr. Swank selbst hat über 150 Patienten, die diese Diät über bis zu 35 Jahren eingehalten haben beobachtet und einen sehr positiven Einfluss auf den Verlauf der MS beschrieben. Diese Daten konnten jedoch von anderen Untersuchern nicht bestätigt werden, so dass eine strikte Einhaltung dieser Diät nicht empfohlen werden kann. Das Prinzip "Weniger tierische, mehr pflanzliche Fette" darf Patientinnen und Patienten allerdings umso mehr ans Herz gelegt werden.
Im Mittelpunkt der Evers-Diät schließlich steht der Verzicht auf 'denaturierte' (industriell hergestellte und haltbar gemachte) Lebensmittel. Frisches Obst, Gemüse, Getreide, Wasser, Milch und Milchprodukte sowie Eier ersetzen Fleisch, gekochte und gebackene sowie frittierte Speisen. Obwohl der wissenschaftliche Beweis der Wirksamkeit einer solchen Diät fehlt, können die Grundprinzipien der Diät durchaus als sinnvoll bezeichnet werden. Eine strikte Einhaltung der Vorschriften ist allerdings relativ aufwändig.
Auch zahlreiche allergenfreie Diäten werden angeboten, wobei diese auf der (falschen) Hypothese beruhen, die MS werde durch eine allergische Reaktion (mit)verursacht. Zahlreiche Allergene wurden angeschuldigt, allen voran Gluten aber auch Zucker, Pilze, Essig und Kaffee. Für keine dieser Diäten konnte ein Nutzen bei MS nachgewiesen werden. Aus diesem Grund, sowie wegen der teils hohen Kosten und der potenziellen Gefahr einer Mangelernährung können sie nicht empfohlen werden.
Wie sinnvoll sind Ansätze zur Nahrungsergänzung?
Die Neuroperm-Therapie nach Dr. Kluge beruht auf der Hypothese, dass die MS Folge einer genetischen Störung des Eiweiß-Stoffwechsels ist. Demzufolge soll einerseits die Aufnahme von Eiweiß mit der Nahrung eingeschränkt, andererseits die Ausscheidung von Eiweiß-Stoffwechselprodukten über den Darm forciert werden. Es existieren weder seriöse Studien, die eine Störung des Eiweiß-Stoffwechsels bei MS belegen, noch solche, die eine Wirksamkeit dieser Therapie nachweisen konnten. Aus diesem Grund, wie auch wegen der relativ hohen Kosten, ist diese Methode nicht empfehlenswert.
Fischölkapseln, die Omega-3-Fettsäuren in hoher Konzentration enthalten, haben möglicherweise einen günstigen Einfluss im Frühstadium der MS-Erkrankung. Besser ist es allerdings, anstelle solcher Kapseln zweimal wöchentlich Fisch zu essen - vor allem Lachs, Thunfisch, Hering, Makrelen oder Sardinen. Dies ist nicht nur schmackhafter und preiswerter, auf diese Weise deckt man auch den Bedarf an wichtigen Vitaminen.
Für das Nachtkerzenöl, das aufgrund seines Gehaltes an Omega-6-Fettsäuren bei MS angepriesen wird, konnte in einer Studie kein positiver Effekt auf den Verlauf der Erkrankung gezeigt werden, so dass es sinnvoller scheint, das Geld für hochwertige Pflanzenöle, wie Leinsamen-, Raps-, Walnuss- oder Distelöl zu verwenden. Gleiches gilt für das Primrose-Öl, das wegen seines hohen Gehaltes an Linolensäure empfohlen wird.
Antioxidantien (sog. Radikalfänger) werden ebenfalls bei MS empfohlen. Diese Substanzen sollen schädliche Stoffe neutralisieren, die sich in unserem Körper bilden (sog. freie Radikale). Diese Radikale wurden unter anderem mit dem Alterungsprozess, mit Krebserkrankungen, aber auch mit der Entstehung von MS in Zusammenhang gebracht. Antioxidantien sind in zahlreichen Vitaminen enthalten, aber auch in Rotwein, in Mineralstoffen wie Selen oder Zink und in kommerziell angebotenen Produkten wie Pinien- oder Traubenkern-Extrakten.
Bis heute fehlt allerdings der Nachweis, dass Antioxidantien tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Verlauf der MS haben, sodass - wenn überhaupt - auf die billigeren Vitamine A, E und C zurückgegriffen werden sollte. Auch kann eine übermäßige Zufuhr solcher Radikalfänger zu einer Aktivierung des Immunsystems führen und derart bei MS sogar mehr Schaden anrichten als Nutzen mit sich bringen.
Welche Nahrungsmittel können bestimmte Beschwerden lindern?
1/8 Liter Preiselbeersaft, sechs Preiselbeer-Kapsel oder 50 Gramm frische Preiselbeeren täglich verhindern das Anhaften schädlicher Bakterien an der Blasenwand und können so dem Entstehen von Harnwegsinfekten vorbeugen. Bei bereits bestehendem Harnwegsinfekt sind Preiselbeeren jedoch nicht wirksam und können die notwendige Therapie mit Antibiotika nicht ersetzen.
Flohsamen sind eine exzellente Therapie der bei MS häufigen Darmverstopfung. Die gute Wirkung sowie geringe Nebenwirkungen haben dazu geführt, dass sie als eines der wenigen Nahrungsmittel von der amerikanischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde FDA zur Behandlung zugelassen wurden und empfohlen werden. Wie jede abführende Therapie sollten aber auch Flohsamen nur unter ärztlicher Aufsicht und nach Ausschluss von anderen Darmerkrankungen eingenommen werden.
Kava Kava ist aufgrund seiner angstlösenden und schlafanstoßenden Wirkung wesentlich besser wirksam und verträglich als der für diese Beschwerden sehr viel bekanntere Baldrian.
Johanniskraut schließlich steht in seiner antidepressiven Wirkung manchen Antidepressiva um nichts nach, allerdings soll auch diese Therapie nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da Johanniskraut die Wirkung zahlreicher Medikamente zum Teil gravierend beeinflussen kann.
Empfehlungen für eine optimale Ernährung bei MS
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| Erstautor: ao. Univ. Prof. Dr. Fritz Leutmezer,
Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien |
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