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HEALTH CENTER: Multiple Sklerose


NetDoktor-Expertin

Ass. Prof.in Dr.in Siegrid Strasser-Fuchs

Ass. Prof.in Dr.in Strasser-Fuchs

Univ.-Klinik für Neurologie, Med. Universität Graz

© Stockdisc / Michlmayr

Health Center: Leben mit MS

Wertvolle Tipps und Information von ExpertInnen

Häufigkeit & Entstehung der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Sie ist weltweit verbreitet, allerdings schwankt ihre Häufigkeit von Land zu Land sehr stark, teilweise auch innerhalb eines Landes.

So erkranken beispielsweise im Norden der USA mehr Menschen an MS als im Süden, in Australien ist es genau umgekehrt. Ingesamt scheint die Erkrankungsrate mit der Entfernung vom Äquator zu steigen - am häufigsten ist die Multiple Sklerose in Skandinavien und Nordamerika anzutreffen. Eher selten ist sie hingegen in Japan sowie in den meisten Ländern Asiens und Afrikas. Menschen weißer Hautfarbe scheinen ein höheres MS-Risiko zu besitzen als Personen mit anderer Hautfarbe.

Für Österreich wird die Häufigkeit der Erkrankung (Prävalenz) mit etwa 100 Betroffenen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner angegeben. Man geht also davon aus, dass zurzeit rund 8.500 Menschen in Österreich an Multiple Sklerose leiden.


Welche Personen sind besonders häufig betroffen?

Die MS betrifft vor allem junge Erwachsene, meist bricht die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus. In Einzelfällen kann es allerdings zu einem deutlich späteren Auftreten der Erkrankung kommen, selbst Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind möglich.

Frauen erkranken etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Einer kanadischen Studie zufolge hat sich das Geschlechterverhältnis allerdings im Verlauf des 20. Jahrhunderts geändert: Berichteten Untersuchungen zu Beginn des Jahrhunderts noch von einem Überwiegen männlicher Betroffener, hat sich dieses Verhältnis inzwischen - aus noch unbekannten Gründen - zu Ungunsten des weiblichen Geschlechts verschoben.


Warum kommt es zur Erkrankung?

Noch immer ist die Ursache von MS nicht vollständig geklärt. Die meisten Forscher gehen derzeit davon aus, dass ein Zusammenspiel von genetischen, immunologischen sowie Umweltfaktoren für die Entstehung der neurologischen Erkrankung verantwortlich ist.

Vererbung (Genetik)

MS ist keine klassische Erbkrankheit. Man geht davon aus, dass bei den Betroffenen durch die Kombination von verschiedenen genetischen Risikofaktoren eine erhöhte "Anfälligkeit" gegenüber der Erkrankung besteht. So haben Studien aus Kanada und Großbritannien gezeigt, dass das MS-Risiko in der Normalbevölkerung dieser Länder bei etwa 0,2 Prozent liegt. Allerdings steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Geschwister von MS-Patienten auf ca. drei Prozent, bei eineiigen Zwillingen gar auf 35 Prozent. Auch ein erkrankter Elternteil hebt das Krankheitsrisiko auf etwa drei Prozent, wobei Väter diesbezüglich einen stärkeren genetischen Einfluss auf die Nachkommen zu haben scheinen als Mütter.

Umweltfaktoren

Durch Studien zur Migration (Bevölkerungswanderung) konnte gezeigt werden, dass das Risiko, an MS zu erkranken, bei Auswanderung nach dem 15. Lebensjahr dem des Herkunftslandes, vor dem 15. Lebensjahr dem des Einwanderungslandes entspricht. Ein Beispiel: Wenn ein 10-jähriger Chinese mit seinen Eltern nach Kanada auswandert, trägt er infolge das höhere Risiko seiner neuen Heimat. Für seine Eltern hingegen ändert sich das Risiko aufgrund ihres Alters nicht mehr.

Diese Beobachtungen unterstützen die Annahme, dass Umweltfaktoren auf die Entstehung der Erkrankung Einfluss nehmen - und dass diese noch unbekannten Faktoren die Krankheitsanfälligkeit bereits in jungen Jahren festlegen, auch wenn sich die Erkrankung selbst unter Umständen erst viel später bemerkbar macht.

Bislang wurden zahlreiche Erreger - vorwiegend Viren, aber auch Bakterien - mit der Erkrankung in Zusammenhang gebracht, ein bestimmter "MS-Erreger" konnte aber noch nicht ausfindig gemacht werden. Auch andere Faktoren wie Klima, Hygienestandards, Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil könnten eine Rolle in der Entstehung spielen.

Abwehrsystem (Immunologie)

Bei der MS kommt es im Zentralnervensystem zu verstreut (disseminiert) auftretenden Entzündungen, bei denen insbesondere die Substanz, welche die Nervenfasern schützend umgibt (Myelin), geschädigt wird. Auslöser für die entzündliche Reaktion sind gegen eigenes Gewebe gerichtete Abwehrzellen, so genannte autoreaktive T-Zellen, die allerdings auch bei gesunden Personen Bestandteil des Immunsystems sind.

Werden diese autoreaktiven T-Zellen durch bestimmte äußere Faktoren aktiviert, können sie ins Gehirn eindringen, indem sie die so genannte Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dort setzt sich die entzündliche Reaktion über die Ausschüttung von Zytokinen (Botenstoffen) fort. Obwohl diese Entzündungsreaktion als auslösend für die Entstehung der MS betrachtet wird, kommt ihr nach neueren Erkenntnissen auch eine positive Rolle zu, indem sie die Nervenzellen vor Schädigungen schützt und den Wiederaufbau der Myelinhülle fördert.


Erstautor: Dr. Matthias Thalhammer

Wissenschaftliches Review : Ass.-Prof.in Dr.in Siegrid Strasser-Fuchs, Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz

Zeitpunkt der Ersterstellung: April 2007


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