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Ursachen und Auslöser für Neurodermitis

Wissenschafter wissen bis heute nicht ganz genau, wie es zum Ausbruch einer Neurodermitis kommt. Fest steht allerdings, dass bei Neurodermitikern eine ganze Reihe innerer und äußerer Faktoren unglücklich zusammentreffen und die Haut verrückt spielen lassen. Einer dieser Faktoren ist die genetische Veranlagung.

Familiäre Wurzeln

Genforscher sind derzeit den chromosomalen Wurzeln der Neurodermitis auf der Spur. Seit längerem ist bekannt, dass Eltern die Veranlagung für die Erkrankung an ihre Kinder weitergeben. Leiden beide Eltern an einer atopischen Erkrankung wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma, haben die Kinder ein vier- bis sechsfach höheres Krankheitsrisiko als Kinder von gesunden Eltern. Ist nur ein Elternteil Atopiker, liegt das Krankheitsrisiko für die Sprösslinge immer noch doppelt so hoch.

Wissenschafter gehen derzeit davon aus, dass verschiedene Gene auf mehreren Chromosomen die Veranlagung zur Neurodermitis mit sich bringen. Es bedeutet aufwändige Detektivarbeit, die winzigen Gene in Milliarden von genetischen Informationen des menschlichen Erbguts ausfindig zu machen. Dieser Suchprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Immerhin konnten Ärzte der Berliner Universitätsklinik Charité inzwischen aber eines dieser Gene einkreisen: In Zusammenarbeit mit Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern haben sie einen Abschnitt auf Chromosom Nummer 3 entdeckt, auf dem ein Neurodermitis provozierendes Gen liegt. Um welche Gensequenz es sich genau handelt, wird derzeit noch erforscht.

Nicht jeder Genträger erkrankt

Neurodermitis bricht nicht bei allen Menschen aus, die eine solche Veranlagung in sich tragen. Das haben Untersuchungen von eineiigen Zwillingspaaren, die identisches genetisches Material besitzen, gezeigt. Immerhin jeder vierte Zwillingspartner blieb von der Erkrankung verschont, obwohl Zwillingsbruder oder -schwester an den quälenden Ekzemen erkrankt waren. Folglich müssen noch andere Faktoren existieren, die zum Ausbruch der Neurodermitis beitragen.

Psychische Faktoren und Umwelteinflüsse rufen zunächst die Krankheit selbst und später die wiederkehrenden Krankheitsschübe auf den Plan. Je nach individueller Veranlagung können Allergene wie Tierhaare, Pollen, Hausstaub oder bestimmte Nahrungsmittelbestandteile die Ekzembildung anstoßen. Aber auch seelische Belastungen wie Stress, Trauer und Angst bringen das Immunsystem durcheinander und können der lauernden Krankheit auf die Sprünge helfen.

Reichtum als Risiko?

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Neurodermitis-Erkrankungen in den Industrieländern stark gestiegen. Als Erklärung dafür wird oft die erhöhte Konzentration an Umweltgiften verantwortlich gemacht; das ist durch Daten in dieser Form jedoch nicht gesichert und wohl auch zu einfach dargestellt. Studien zeigen deutlich, dass vor allem Kinder aus sozial höheren Schichten betroffen sind. Grund dafür könnte möglicherweise ein Elternhaus sein, das zu sehr auf Hygiene bedacht ist. Wo die körpereigene Immunabwehr nicht mit Keimen, Parasiten und anderen Krankheitserregern ausgelastet ist, stürzen sich die Immunzellen verstärkt auf harmlose Fremdlinge wie Pollen oder Nahrungsmittelbestandteile.

Autoren: Christiane Fux, Dr. Erik Senger, überarbeitet von Prof. Dr. Werner Aberer

Letzte Aktualisierung: Februar 2005

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