HEALTH CENTER: Neurodermitis
Kleine Patienten - Kinder mit Neurodermitis
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Neurodermitis ist eine Erkrankung, die vor allem Kinder trifft: Bei der Hälfte aller Betroffenen bricht sie bereits in den ersten Lebensmonaten aus, bei weiteren zwanzig Prozent tritt sie bis zum vierten Lebensjahr auf. Dabei leiden in vielen Fällen nicht nur die kleinen Patienten, eine schwere Neurodermitis kann die ganze Familie belasten.
Strategien gegen den Dauerstress
Die Sorge um das Kind und der permanente Schlafmangel bedeuten anfangs Dauerstress. Holen Sie sich jede Unterstützung, die Sie bekommen können. Wenn Sie müde und überlastet sind, mangelt es Ihnen an Nervenstärke, um mit dem oft anstrengenden Kind klarzukommen. Ihre Anspannung überträgt sich zudem auf das Kind und kann die Hautsymptome verstärken. Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Tai-Chi. Auf diese Weise entwickeln Sie Gelassenheit - das hilft Ihnen und Ihrem Kind. Schon mit drei Jahren können Kinder gemeinsam mit den Eltern Entspannungsübungen durchführen, auf diese Weise ihre Seele stabilisieren und die Krankheitssymptome positiv beeinflussen.
Neurodermitis ist kein Persönlichkeitsmerkmal
Der entscheidende Punkt im Umgang mit einem Neurodermitis-Kind ist, dass die Krankheit nicht zum Mittelpunkt wird, um den sich das gesamte Familienleben dreht. Im gegenteiligen Fall sieht das Kind die Krankheit als wichtigsten Teil seiner Persönlichkeit an und glaubt, ohne die Krankheit unwichtig zu sein. Somit hat das Kind kein Interesse an einem verbesserten Hautzustand, was den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Schenken Sie anderen Eigenschaften Ihres Kindes besondere Aufmerksamkeit: Vielleicht kann es gut malen, schön singen oder super Fußball spielen. Ihr Kind hat eine sehr unangenehme Hauterkrankung, die besonderer Pflege bedarf. Lassen Sie aber nicht zu, dass die Krankheit zu viel Einfluss auf seine seelische Entwicklung nimmt.
Klare Grenzen setzen
Sorge, Mitleid und vage Schuldgefühle verleiten viele Eltern dazu, ihr Kind zu sehr zu behüten und zu nachgiebig zu sein. Um eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln, braucht der kleine Patient Liebe, Fürsorge, aber auch klare Grenzen - wie andere Kinder eben auch. Stellen Sie sich im Zweifelsfall die Frage, ob Sie auch so reagieren würden, wenn Ihr Kind keine Neurodermitis hätte.
Nicht erpressen lassen
Kinder sind helle Köpfchen, die meist sehr schnell herausfinden, wie sie ihren Willen durchsetzen können und Zuwendung erhalten. Springen Sie nicht sofort, wenn Ihr Kind anfängt, sich zu kratzen. Sollte es das bemerken, löst das einen verhängnisvollen Teufelskreis aus. Lassen Sie sich nicht erpressen, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Reagieren Sie gelassen auf das Kratzen und ignorieren Sie es notfalls. Wenden Sie sich Ihrem Kind stattdessen verstärkt zu, wenn es nicht kratzt. Wenn es merkt, dass Kratzen nicht die gewünschte Wirkung hat, wird es die kleinen Erpressungsmanöver schnell aufgeben.
Keine Extrawürste braten
Hat Ihr Kind gesunde Geschwister, ist es besonders wichtig, es möglichst wie die anderen zu behandeln. Oft fühlen sich die Geschwister von Neurodermitis-Kindern weniger geliebt, manche entwickeln Schuldgefühle, weil sie gesund sind. Andere versuchen, Eltern durch entsprechende Verhaltensweisen zu bewegen, sich ihnen verstärkt zuzuwenden. Sie fangen an, nachts einzunässen oder werden in der Schule auffällig. Zu viel Rücksichtnahme schadet auch dem kranken Kind auf lange Sicht. Nehmen Sie es deshalb nicht vor seinen Geschwistern in Schutz und fordern Sie von diesen nicht unentwegt Rücksichtnahme. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr krankes Kind lernt, sich durchzusetzen. Nur so kann es das nötige Selbstbewusstsein entwickeln, um gut durchs Leben zu kommen.
Hilfe für die Seele annehmen
Suchen Sie sich professionelle Unterstützung, falls das familiäre Gleichgewicht durch die Neurodermitis-Erkrankung aus der Balance gerät oder Sie merken, dass Ihr Kind durch seine Hauterkrankung seelisch überfordert ist. Eine familientherapeutische Beratung oder eine Psychotherapie können eine große Hilfe sein. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt einen Therapeuten in Ihrer Nähe empfehlen.
Ihr Kind hat eine sehr unangenehme Hauterkrankung. Das muss aber nicht heißen, dass auch seine persönliche Entwicklung leidet. Im Gegenteil: Wenn es ihm mit Ihrer Unterstützung gelingt, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und mit den speziellen Schwierigkeiten fertig zu werden, wird es auf dem weiteren Lebensweg so leicht nichts aus der Bahn werfen können.
Autoren: Christiane Fux, Dr. Erik Senger, überarbeitet von Prof. Dr. Werner Aberer
Letzte Aktualisierung: Februar 2005
