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Neurodermitis-Forum

 

Niedergeschlagen und aufgekratzt: Kinder und Neurodermitis

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Das ständige Jucken, welches leider die häufigste Begleiterscheinung ist, bewirkt Schlafstörungen (immer wieder aufwachen, eher oberflächlicher Schlaf usw.) sowohl des Kindes als auch bei den Bezugspersonen, da sie ständig darum bemüht sind, das Kind wieder zum Schlafen zu bringen. Das Jucken lenkt ab, gespaltene Aufmerksamkeit des Kindes ist die Folge. Es ist kontinuierlich durch das Jucken belastet. Ruhiges Sitzen und stillere Beschäftigungen sind so nur schwer möglich. Die Folgen sind oft Versuche der Betroffenen, Ablenkungen vom Jucken und Kratzen zu finden. Die Konzentrationsfähigkeit sowohl des Kindes als auch der Bezugsperson wird auf eine harte Probe gestellt.

Neurodermitis verursacht bei Kindern Stress und Stress begünstigt das Auftreten von Neurodermitis-Schüben. Wichtig ist es, dass das tägliche Baden und Eincremen sowie die medikamentöse Behandlung der Schübe zu einer Routine werden, die nicht noch zusätzlichen Stress aufbaut. Hier ist großes pädagogisches Geschick gefragt.

Gerade das Auftreten der Krankheit an sichtbaren Hautstellen wie im Gesicht und an den Händen verunsichert. Kinder werden manchmal von Gleichaltrigen gehänselt, doch auch Erwachsene reagieren nicht immer angemessen. Obwohl diese Krankheit in keiner Weise ansteckend ist, wird manchmal nicht der richtige Umgang gefunden, und zurück bleibt das Gefühl "Ich werde ausgegrenzt". Zu dieser sozialen Ausgrenzung kommt aber noch viel öfter die Selbstausgrenzung hinzu. Da sich manche Betroffene schämen oder unsicher sind, meiden sie bei Neurodermitis-Schüben die Öffentlichkeit und soziale Kontakte. Eltern trauen sich mit dem Kind nicht mehr auf Spielplätze, wegen befürchteter oder auch schon erlebter Diskriminierung. Die Reaktionen der Umwelt können bei Kindern und Bezugspersonen Rückzug und Gefühle der Ohnmacht auslösen. Die Diskriminierungen wirken sich auf den Selbstwert aus. Das Selbstvertrauen, die Weltoffenheit und das Körpergefühl des Kindes werden untergraben und erschwert.

Nichts ist schmerzlicher für ein Kind als das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Bieten Sie Ihrem Kind ein Umfeld, in dem es verstanden wird. Das Zusammentreffen mit anderen betroffenen Kindern kann für Ihr Kind wichtige Erkenntnisse bringen. Freundschaften bilden sich, bei denen die Krankheit nicht trennend zwischen den Kindern steht.

Oben genannte Einschränkungen und die mit Neurodermitis meist zwangsläufig verbundenen vielschichtigen und komplizierten Allergien beeinträchtigen massiv die Glücksfähigkeit und Entwicklung von Kleinkindern, Kindern und die Eltern-Kind-Beziehung: Für Kleinkinder ist das Erleben, Erfahren, Schmecken etc. von verschiedenen Gerüchen und Essen sehr wichtig für die Entwicklung und ein sehr lustbetontes, die Lebensfreude betreffendes Geschehen. Dies muss meist durch die Bezugspersonen massiv eingeschränkt und verboten werden. Das schmerzt das Kind und die Eltern. Sportliche Erfahrungswelten können wegen der kontinuierlichen offenen Stellen oder beispielsweise Chlorallergien stark beeinträchtigt sein.

Kinder müssen auch selbst die Auslöser für ihre Krankheit kennen und vermeiden lernen. Durch die nähere Beschäftigung, den engeren Kontakt und die Bewältigungsversuche haben die Kinder einen exklusiveren Kontakt zu den Eltern. Sie lernen auch früh, mit Einschränkungen zu leben. Soziale Reife und insbesondere geistige Fähigkeiten werden dadurch mehr gefördert. Neurodermitis-Kinder können dadurch besonders sensible und aufmerksame Kinder sein, die nicht selten über besondere Begabungen verfügen.

Autorin: Mag. Barbara Schiestl, Psychologin in Wien und Mutter eines Sohnes mit Neurodermitis

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