Das unabhängige Gesundheitsweb für Österreich
netdoktor.at

HEALTH CENTER: Osteoporose


NetDoktor-Experte

Univ. Prof. Dr. Hans Bröll

Prim. Univ. Prof. Dr. Johann Bröll

Facharzt für Innere Medizin, Experte für Rheumatologie

Health Center Osteoporose

Health Center Osteoporose

Wertvolles Wissen für Ihre Knochen

Medikamentöse Therapie der Osteoporose

Angesichts der großen Zahl an Betroffenen kommt vorbeugenden Maßnahmen in der Bekämpfung der Skeletterkrankung Osteoporose eine ganz besondere Bedeutung zu. Die wichtigsten Maßnahmen, um sich vor der auch als Knochenschwund bekannten Erkrankung zu schützen, sind gesunde Ernährung sowie regelmäßige Bewegung.

Bei der medikamentösen Behandlung sind die Grenzen zwischen Prophylaxe und Therapie häufig fließend. Da osteoporotische Veränderungen durch Knochendichtemessungen heute bereits erkannt werden können, bevor Symptome auftreten, setzt man Medikamente oftmals auch ein, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

Ist die Osteoporose diagnostiziert, stellen Medikamente die zentrale Säule der Behandlung dar. Hier wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt, sodass mittlerweile zahlreiche Medikamente zur Verfügung stehen, mit denen Betroffenen geholfen werden kann. Welche Art der Medikation dabei individuell die richtige ist, entscheidet der Arzt oder die Ärztin in enger Zusammenarbeit mit Patient oder Patientin.


Grundsätzliches zur medikamentösen Therapie

Von Präparaten zur Schmerzlinderung abgesehen, zielen alle Osteoporose-Medikamente darauf ab, den beschleunigten Verlust an Knochenmasse und die Verschlechterung der Mikroarchitektur aufzuhalten sowie den Aufbau des Knochens zu unterstützen. Letztlich soll das Risiko eines Knochenbruchs, der zu nachhaltigen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen kann, soweit wie möglich minimiert werden. Allerdings erfolgt das leider nicht von heute auf morgen, denn Veränderungen an den Knochen brauchen Zeit. So gilt ein Osteoporose-Präparat als "schnell wirksam", wenn sich nach sechs Monaten ein Effekt nachweisen lässt.

Deshalb und vor allem, weil es sich bei der Osteoporose um ein chronisches Leiden handelt, ist die Behandlung eine langfristige Angelegenheit, die es in der Regel erfordert, über Jahre hinweg ein oder mehrere Medikamente einzunehmen - wobei jede medikamentöse Osteoporose-Therapie zusätzlich einer hinreichenden Versorgung mit Kalzium und Vitamin D bedarf. Das verlangt von den Betroffenen ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Vielen Patienten fällt es mitunter schwer, diese Disziplin aufzubringen, gerade weil der therapeutische Erfolg nicht unbedingt unmittelbar spürbar ist. Dabei ist es ungemein wichtig, sich an das Behandlungsschema zu halten und die Medikamente in der richtigen Dosierung und zum richtigen Zeitpunkt zu sich zu nehmen.

Wenn ein Osteoporose-Patient mit der Therapietreue oder Compliance Probleme hat (z.B. aufgrund von Nebenwirkungen), sollte er das unbedingt mit Arzt oder Ärztin besprechen. Oft kann man die Medikation in solchen Fällen umstellen oder zu Präparaten greifen, die seltener verabreicht werden müssen. Ganz generell erfordert die Osteoporose-Therapie eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient.


Welche Medikamente gibt es?

Basis jeder medikamentösen Osteoporose-Therapie ist die ausreichende Versorgung des Patienten mit Kalzium und Vitamin D. Kalzium ist der wichtigste Baustoff für gesunde Knochen. Ernährungsexperten empfehlen die Zufuhr von mindestens einem Gramm täglich. Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon. Es verstärkt die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und sorgt dafür, dass der Mineralstoff richtig in die Knochen eingebaut wird.

Kalzium und Vitamin D sind also so etwas wie Partner in Sachen gesunde Knochen. Sie müssen in ausreichendem Maß vorhanden sein, reichen für sich genommen aber nicht aus, um eine Osteoporose zu behandeln. Dazu werden verschiedene andere Medikamente eingesetzt, entweder allein oder in Kombination. Die wichtigsten Präparate, die in der medikamentösen Behandlung der Osteoporose zur Anwendung kommen, sind:

Bisphosphonate

Osteoklasten sind Zellen, die bei den ständigen Umbauprozessen im Knochen die Aufgabe des Abbaus haben. Bisphosphonate hemmen die Funktion dieser Zellen und wirken so dem Abbau entgegen. Die Medikamente erhöhen nachweislich die Knochendichte. Lange war allerdings umstritten, ob sie auch die Häufigkeit von Knochenbrüchen verringern. Neueste Studien zeigen hingegen, dass eine Behandlung mit Bisphosphonaten das Frakturrisiko signifikant senkt. Aus diesem Grund gelten die Präparate mittlerweile auch als Standardtherapie. Als unerwünschte Nebenwirkungen treten in erster Linie Reizungen der Schleimhäute auf, die sich in Form von Sodbrennen, saurem Aufstoßen, Magenschmerzen und Übelkeit bemerkbar machen können. Durch die richtige Einnahme der Medikamente lassen sich diese Probleme allerdings oft in den Griff bekommen.

SERMs

Das Kürzel steht für selektive Östrogen(engl. Estrogen)-Rezeptor-Modulatoren. Obwohl es sich bei den SERMs nicht um Östrogene handelt, entfalten sie an den Östrogen-Rezeptoren im Bereich der Knochen die gleiche Wirkung wie das wichtigste weibliche Sexualhormon. Das heißt, sie hemmen die Osteoklasten und wirken damit dem Knochenabbau entgegen. Der Vorteil dieser Behandlung gegenüber der Hormonersatztherapie mit Östrogenen besteht darin, dass sie in erster Linie an den Knochen stimulierend wirkt, und weniger an Brustgewebe und Gebärmutterschleimhaut. Allerdings dürfen die Medikamente wegen ihres Wirkmechanismus erst bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt werden.

Strontiumranelat

Strontiumranelat ist die neueste Waffe im Kampf gegen die Osteoporose. Seine Wirkmechanismen werden gegenwärtig noch nicht bis ins letzte Detail verstanden. Untersuchungen zeigen aber, dass das Medikament einerseits die knochenabbauenden Osteoklasten hemmt, andererseits die Herstellung und Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten fördert. Durch diese duale, zweifache Wirkung führt Strontiumranelat zu einer Erhöhung der Knochenmasse. In den letzten Jahren wurde das Medikament in großen Studien mit postmenopausalen Osteoporose-Patientinnen getestet - mit überzeugenden Ergebnissen. So führte die Therapie mit Strontiumranelat zu einer deutlichen Senkung des Frakturrisikos, insbesondere in Hinblick auf Brüche der Wirbelkörper. Wegen der hohen Kosten wird das Medikament aber derzeit in Österreich nur dann von den Kassen erstattet, wenn die behandelten Frauen eine Therapie mit Bisphosphonaten nicht vertragen.

Parathormon

Das von den Nebenschilddrüsen hergestellte Parathormon aktiviert die knochenaufbauenden Osteoblasten. Wie Studien zeigen, nimmt bei Osteoporose-Patienten unter Parathormon-Gabe die Knochenmasse zu und auch das Frakturrisiko sinkt. Als Nebenwirkungen können Übelkeit und Kopfschmerzen auftreten.

Weibliche Sexualhormone/Hormonersatztherapie

Östrogene wirken dem Knochenabbau entgegen. Das ist der Grund, warum der nach den Wechseljahren erniedrigte Östrogenspiegel das Osteoporose-Risiko erhöht. Bei der Hormonersatztherapie bekommen Frauen Östrogene in Kombination mit Gestagenen - zum Schutz der Gebärmutter. An den Knochen haben Östrogene nahezu die gleichen Effekte wie die SERMs. Sie hemmen die Osteoklasten und verringern dadurch das Abnehmen der Knochendichte. Studien haben auch ergeben, dass eine Hormonersatztherapie die Häufigkeit von Knochenbrüchen senkt. Allerdings ist die dauerhafte Behandlung mit Östrogen mit gewissen Risiken behaftet - Risiken, die die SERMs nicht besitzen. Daher gilt die Hormonersatztherapie heute nicht mehr als Therapie der ersten Wahl bei Osteoporose.

Fluorid

Fluorid fördert die Knochenneubildung und wurde deshalb lange Zeit in der Osteoporose-Behandlung eingesetzt. Schließlich haben Wissenschafter allerdings die Entdeckung gemacht, dass der neu gebildete Knochen von minderer Qualität ist. Seit diesem Zeitpunkt gelten Fluoride als therapeutisch überholt.


Erstautoren: Ulrich Kraft (Arzt), Thomas Auinger

Wissenschaftliches Review: Prim. Univ. Prof. Dr. Johann Bröll, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfach Rheumatologie

Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels (ÖGEKM)


Datum der Ersterstellung: März 2008

Quellen:

zum Health Center Osteoporose