Das unabhängige Gesundheitsweb für Österreich
netdoktor.at

HEALTH CENTER: Psoriasis


NetDoktor-Experte

Prof. Dr. W. Salmhofer

Dr. W. Salmhofer

Facharzt für Haut- und Geschlechts- krankheiten

Health Center Psoriasis

Health Center Psoriasis

Hilfreiches zum Umgang mit Schuppenflechte

Lokale Medikamente:
Rasche Hilfe für die Haut

Die örtliche Behandlung (Lokaltherapie) ist, was Schnelligkeit, Ungefährlichkeit und Vollständigkeit der Wirkung betrifft, der systemischen Therapie mit Tabletten, Injektionen oder Infusionen überlegen, die - auch auf Grund möglicher Nebenwirkungen - den schweren und therapieresistenten Verlaufsformen vorbehalten ist. Die Lokaltherapie ist wegen der geringen Nebenwirkungen bei vielen Psoriasis-Formen die Behandlung erster Wahl. Auf Grund des lebenslangen Verlaufes sollte der Lokaltherapie so lange wie möglich der Vorzug gegeben werden.

Grundvoraussetzung einer wirksamen Lokaltherapie ist das Eindringen der Wirksubstanzen in die Haut - dies wird durch die starken Schuppen-Auflagerungen auf dem Erkrankungsherd aber verhindert. Erste und entscheidende Maßnahme ist es daher, zu Beginn - und bei Bedarf auch während der Therapie - für eine ausreichende Entschuppung zu sorgen. Neben wirkstofffreien Pflegesalben (indifferente Lokaltherapeutika), die erweichend und schuppenablösend (keratolytisch) wirken, eignen sich besonders 2-10%ige Zubereitungen mit Salicylsäure hervorragend zur Ablösung von Schuppen, aber auch Salben mit Harnstoff oder Milchsäure können verwendet werden.

Viele Psoriasis-Therapeutika hemmen die gesteigerte Zellteilung der Hautzellen (Proliferationshemmung) und fördern deren Differenzierung, manche haben zusätzlich eine entzündungshemmende (antiinflammatorische) Wirkung.

Im Anschluss an die Abschuppung werden entzündungshemmende und antiproliferativ wirkende Salbenzubereitungen mit Dithranol, Kortison und Vitamin-D- bzw. Vitamin-A-Abkömmlingen eingesetzt.

Dithranol (= Cignolin, Anthralin), seit fast 100 Jahren in die Behandlung der Psoriasis eingeführt, vermindert die Zellvermehrung und führt bei konsequenter Anwendung über Wochen häufig zu einem vollständigen, aber meist nur vorübergehenden Abheilen der Herde. Dithranol ist vor allem zur Behandlung der chronisch-stationären Form der Psoriasis (Plaque-Psoriasis) gut geeignet.

Diese Form der Behandlung kann jedoch bei unsachgemäßer Anwendung (zu lange Einwirkdauer, fehlendes Abbaden) zu schweren Hautreizungen mit Blasenbildung führen. Gute Mitarbeit des Patienten ist bei dieser Behandlung daher besonders wichtig. Ein weiterer Nachteil dieser Therapie ist, dass es durch die Salbe zu einer Verfärbung von Haut und Wäsche durch Oxidationsprodukte von Dithranol kommen kann. Die Behandlung wurde daher bisher meist nur stationär durchgeführt. Seit einigen Jahren gibt es aber Präparate in einer besonderen Zubereitungsform (Galenik), die diese Nachteile bzw. Nebenwirkungen nicht mehr oder nur in einem sehr geringen Ausmaß aufweisen.

Steinkohlenteer ist ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, Kohlenstoff sowie Wasser und besteht insgesamt aus rund 10.000 verschiedenen Substanzen. Teerpräparationen sind proliferations- und entzündungshemmend und können daher positiv auf die Schuppenflechte wirken, der genaue Wirkungsmechanismus bei der Psoriasis ist jedoch nicht bekannt.
Als Nachteil ist zu erwähnen, dass viele der Zubereitungen unangenehm riechend und schmutzend sind und daher eine Anwendung aus diesen Gründen nur beschränkt möglich ist.
Zur Behandlung von wenig infiltrierten Herden der akut-exanthematischen Psoriasis kommen teils entfärbte oder desodorierte, weniger geruchsintensive Präparate zum Einsatz.

Kortisonpräparate wirken antiproliferativ und entzündungshemmend und werden besonders bei akut auftretenden Formen der Psoriasis, bei kleineren Einzelherden sowie bei der Psoriasis der Kopfhaut angewandt. Weiters sind sie das Mittel der Wahl im Gesicht sowie im Hals- und Genitalbereich. Ein Nachteil der Kortisontherapie ist neben den typischen Nebenwirkungen (z.B. Verdünnung der Haut, Ausweitung von Hautgefäßen) das häufig raschere Wiederauftreten der Psoriasis-Herde nach Ende der Therapie.

Vitamin-D-Abkömmlinge (Vitamin-D-Analoga) sind seit einigen Jahren eingeführte Lokaltherapeutika zur Behandlung der Psoriasis. Sie hemmen das Wachstum verschiedener Zellen (unter anderem auch der Keratinozyten) und fördern deren Differenzierung. Anwendungsbereiche sind die chronischen Verlaufsformen (Plaque-Typ) und pustulöse Formen der Psoriasis. Gelegentlich kann eine geringe Hautreizung unter der Behandlung auftreten. Es dürfen, je nach Präparat, nur bis maximal 30 % der Körperoberfläche auf einmal behandelt werden, besondere Vorsicht ist bei Erkrankungen geboten, die mit einem erhöhten Kalzium-Spiegel einhergehen.

Vitamin-A-Abkömmlinge: Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis steht für die lokale Anwendung auch ein synthetisches Vitamin-A-Derivat in Gelform zur Verfügung. Nachteilig ist jedoch eine oft zu beobachtende hautreizende Wirkung des Präparates.

Calcineurin-Antagonisten: Eine interessante Neuentwicklung stellen die sog. Calcineurin-Antagonisten (Tacrolimus, Pimecrolimus) dar, die die Bildung und Freisetzung von Entzündungsmediatoren vermindern und auf Entzündungszellen hemmend wirken. Sie zeigen eine rasche und gute Wirksamkeit bei Herden im Gesicht und bei Psoriasis inversa. Bei letzterer Form sind nicht die typischen Psoriasis-Areale, sondern die so genannten intertringinösen Räume - Leistenbeuge, Achselhöhle - betroffen.

Autor: Prof. Dr. Wolfgang Salmhofer

Letzte Aktualisierung: Jänner 2005

zum Health Center Psoriasis