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HEALTH CENTER: RAUCHSTOPP


NetDoktor-Expertin

Mag.a Beate Atzler

Mag.a Beate Atzler

Raucher-Kompetenz-Zentrum Josefhof

© Stockdisc / Michlmayr

Health Center Rauchstopp

Alle Infos zur letzten Zigarette

Psychologische und Psychotherapeutische Methoden

Tabakabhängigkeit spielt sich auf zwei Ebenen ab - auf der körperlichen und auf der psychischen Ebene. Die Entwöhnung muss daher auch auf diesen beiden Ebenen stattfinden. Dabei wird die medikamentöse Therapie bei physischer Abhängigkeit zumeist unterstützend eingesetzt, um die psychische Abhängigkeit erfolgreich therapieren zu können. Für die Entscheidung, welche Therapie zur Anwendung kommen soll, ist die Bestimmung des Abhängigkeitsgrades bzw. eine gründliche Diagnose Voraussetzung.


Wie wird eine Tabakabhängigkeit diagnostiziert?

Klassifikationssysteme

Nikotinabhängigkeit ist eine Suchterkrankung. In der WHO-Klassifizierung aller bekannten Krankheiten und Gesundheitsprobleme ICD-10 sowie im Klassifikationssystem für psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten DSM IV wird "Tabakabhängigkeit" (ICD-10) bzw. "Nikotinabhängigkeit" (DSM IV) mit Hilfe von insgesamt sechs Kriterien als Abhängigkeitssyndrom kategorisiert.

1. Es besteht ein starker Wunsch oder Zwang, Tabak zu konsumieren.
2. Die Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Tabakkonsums ist vermindert.
3. Beim Absetzen oder bei Verminderung des Tabakkonsums kommt es zu einem körperlichen Entzugssyndrom.
4. Es besteht eine Nikotin-Toleranz, das heißt, der Körper zeigt eine verringerte Reaktion auf die Substanz.
5. Andere Vergnügungen oder Interessen werden zunehmend vernachlässigt.
6. Trotz des Nachweises der schädlichen Folgen wird weiterhin Tabak konsumiert.

Waren im Laufe des zurückliegenden Jahres drei dieser Kriterien erfüllt, spricht man von einer Abhängigkeit.


Der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit

In der Praxis wird zur Klassifizierung der Abhängigkeit von Raucherinnen und Rauchern zumeist der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit hinzugezogen. Dieser kurze, einfache Test umfasst sechs Fragen, die einen Punktewert zwischen 1 und 10 ergeben. Auf Grundlage dieses Wertes lässt sich der Grad der Nikotinabhängigkeit einschätzen. Bei der Entscheidung, welche Maßnahme für den jeweiligen Fall notwendig ist, ist der Fagerström-Test ein sehr hilfreiches Instrument.


Das Wiener Standard Raucher-Inventar

Auch das Wiener Standard Raucher-Inventar ist in der Praxis weit verbreitet. Dieses Inventar erhebt beim Erstkontakt mit Raucher oder Raucherin die demografischen Daten (Name, Alter, Familienstand, Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder, Beruf etc.).

In einer Tabelle wird die Ausgangssituation festgehalten, d.h. Zigaretten pro Tag, Zigarettenmarke, ob regelmäßig oder unregelmäßig geraucht wird, das Ergebnis aus dem Fagerström-Test, das CO-Messergebnis, der Teerexpositionswert, Nicotine-Pre-Abstinence-Syndrom, Größe und Gewicht sowie die empfohlene Therapie.

In der Verlaufskontrolle einer Therapie werden alle diese Werte immer wieder erneut erhoben und beobachtet. Weiters werden Daten zu Nikotinersatztherapie, Entwöhnungsversuchen, bisherigen Entwöhnungsmethoden, bisherigen Erfolgen, Ausmaß des Verlangens nach Nikotin, Motivation zur Raucherentwöhnung, Kohlenhydratabhängigkeit, Zusatzbelastungen, Reaktionen bei Stress, zusätzlichen Risikofaktoren und Medikamenten erhoben.

In der Erst- bzw. Begleitdiagnostik ermöglicht dieses Inventar eine transparente, nachvollziehbare Behandlung.


Kohlenmonoxid-Messung (CO-Messung)

Mit der Überprüfung des Kohlenmonoxid-Gehaltes der Ausatemluft lassen sich die im Gespräch mit dem Patienten erhobenen anamnestischen Daten objektivieren. Die CO-Messung stellt auch ein ideales Bewertungskriterium im Verlauf der Therapie dar.


Welche Komponenten der Raucherentwöhnung gibt es?

Motivationsförderung

Um eine langfristige Abstinenz vom Tabak zu erreichen, muss grundsätzlich die Motivation des Rauchers oder der Raucherin vorausgesetzt werden. Durch wertungsfreie Vermittlung von Informationen über das Zigarettenrauchen und die damit verbundenen Gesundheitsschäden - insbesondere aber zu den Möglichkeiten der Entwöhnung und den damit verbundenen positiven Gesundheitsfolgen - kann die Motivation zum Rauchstopp erhöht werden.

Besonders wichtig ist es, jene Methode auszuwählen, die für die jeweilige Situation und Motivationslage des Rauchers geeignet ist. Prinzipiell lassen sich fünf Stadien der Verhaltensänderungsbereitschaft unterscheiden (sog. transtheoretisches Modell nach Prochaska und DiClemente):

1. kein Problembewusstsein
2. Bewusstwerden: Die Möglichkeit des Aufhörens wird in Erwägung gezogen.
3. Vorbereitung: Der Ausstieg wird konkret vorbereitet.
4. Handlung: Das Rauchen ist schon eingestellt, die Gefahr eines Rückfalls besteht.
5. Aufrechterhaltung: Es gilt neue Verhaltensweisen zu stabilisieren.

In manchen Publikationen wird auch noch eine sechste Phase zitiert, die Nichtraucherphase. Diese tritt erst nach Jahren der erfolgreichen Nikotinabstinenz ein.

In Abhängigkeit von der vorliegenden Phase wird die Form der Intervention gewählt:

Bei Rauchern, die noch kein Problembewusstsein zu den negativen Folgen des Rauchverhaltens haben, wird die Technik der "Motivationalen Gesprächsführung" angewandt. In diesem Zusammenhang hat es sich bewährt, wenn Therapeut und Patient gemeinsam die fünf R’s besprechen bzw. durchgehen:

  • Relevanz des Rauchens für das Gesundheitsproblem
  • Risiken für Raucher oder Raucherin
  • Reize des Nichtrauchens
  • Riegel vor persönlichem Rauchstopp
  • Repetition (Wiederholung) der Motivierung

In der Phase des Bewusstwerdens gilt es Raucher dabei zu unterstützen, eine Entwöhnung ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Informationen über Entwöhnungsangebote sollen zur Verfügung gestellt werden. Für solche Kurzinterventionen wurde das Konzept der fünf E’s entwickelt. Dieses nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und sollte eigentlich bei jedem Kontakt von Rauchern mit dem Gesundheitssystem zur Anwendung kommen:

  • Erfragen: Patienten werden gefragt, ob sie rauchen bzw. früher geraucht haben.
  • Erfassen: Aktive Raucher werden gefragt, ob sie mit dem Rauchen aufhören möchten.
  • Erklären: Der Therapeut erteilt Ratschläge in Hinblick auf eine Entwöhnung.
  • Erreichen: Unterstützende Maßnahmen für das Aufhören werden erarbeitet.
  • Einrichten von Follow-up-Besuchen: Durch regelmäßige Arztkontakte soll der Wunsch zum Rauchstopp aufrechterhalten und weiter gefördert werden.

Die Wirksamkeit dieser Kurzintervention zur Steigerung der Motivation und zur Förderung der Unzufriedenheit mit dem eigenen Rauchverhalten und damit zur Erhöhung der Abstinenzbereitschaft ist in zahlreichen Studien und Publikationen belegt.

Die Phase der Vorbereitung findet vor der Entwöhnung statt, wenn beispielsweise ein konkretes Datum für den Rauchstopp festgelegt wird. Wurde das Rauchen bereits eingestellt (Stadium der Handlung), ist das neue Verhalten aber noch nicht gefestigt und es besteht die Gefahr eines Rückfalls. Ist der Rauchstopp geschafft, müssen die neu erlernten Verhaltensweisen auch stabilisiert werden. Daher ist es wichtig, dass Raucherinnen und Raucher auch nach der Entwöhnung weiterhin professionell betreut werden.


Beratung und Verhaltenstherapeutische Verfahren


Beratung

Bei der Beratung werden verschiedene Typen unterschieden

  • Strukturierte Schulung: Dieser Beratungstyp beinhaltet Bausteine wie Wissensvermittlung über die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Tabakrauchens, über die Nikotinabhängigkeit und das Entzugssyndrom. Die Strategien umfassen unter anderem Stoppplan, Stressbewältigung, Gewichtskontrolle und Aufrechterhaltung der Abstinenz.
  • Verhaltenstraining: Durch Konditionierung, also das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern im Laufe unseres Lebens, und positive Verstärkung durch die Wirkungen des Nikotins im Körper wird das Anzünden der Zigarette in bestimmten Situationen automatisiert. Das Verlangen nach diesem positiven Reiz lässt die Abhängigkeit entstehen.

    Die Methode der verhaltenstherapeutischen Selbstkontrolle ist "State of the Art" in der Raucherentwöhnung, zählt also zu den am besten belegten und erfolgreichsten Maßnahmen. Basierend auf der sog. Lerntheorie werden neue Verhaltensweisen erlernt und erprobt (z.B. das Zurückweisen einer Zigarette) sowie Hoch-Risiko-Situationen erkannt und bewältigt.

    Bei langjährigen Rauchern kommt es in den meisten Fällen auch schon zu körperlichen Entzugserscheinungen, wenn das Nikotin nicht zugeführt wird. In diesen Fällen ist es nicht mehr die positive Verstärkung, die das Verhalten auslöst, sondern es sind aversive (unangenehme) Reize wie Unruhe, Schlafstörungen etc., die mithilfe der Zigarette kompensiert werden müssen. In der Praxis hat sich daher eine Kombination aus Verhaltenstraining und Nikotinersatztherapie als sehr erfolgreich etabliert.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Ziel dieses Ansatzes ist es, Gedanken, Vorstellungen und Einstellungen hinsichtlich des Rauchstopps zu verändern und negative Stimmungen umzuwandeln.


Verhaltenstherapeutische Verfahren

Verhaltenstherapeutische Interventionen umfassen zumeist mehrere Kontakte über mehrere Wochen und durchlaufen folgende Stadien:

  • Abstinenzvorbereitung
  • Konsumbeendigung
  • Stabilisierung

Bei ausgeprägter Abhängigkeit und spürbaren Entzugserscheinungen sowie bei mehrmaligen erfolglosen Aufhörversuchen ist eine intensive, meist stationäre Therapie vonnöten. Optimale Therapiekonzepte in der stationären Raucherentwöhnung beinhalten sowohl Einzel- als auch Gruppengespräche.

Abstinenzvorbereitung
Am Beginn der Therapie steht eine detaillierte Analyse des Rauchverhaltens (Gewohnheiten, emotionale Umstände, Stress, Spannung etc.) und die Identifikation von Risikosituationen. Aufbauend darauf wird deutlich, welche Funktion das Rauchen für den Betroffenen erfüllt. So wird aus den verschiedensten Gründen zur Zigarette gegriffen: zur Entspannung, zur Belohnung, zur Motivation usw.

Konsumbeendigung
In der Regel wird mit dem Therapeuten eine schriftliche Vereinbarung abgeschlossen und der Tag des Rauchstopps geplant. Ein plötzlicher Stopp hat sich diesbezüglich im Vergleich zur allmählichen Verringerung der Zigarettenmenge (Reduktion) bewährt. In den ersten rauchfreien Tagen werden Patienten vom Therapeuten begleitet, es werden mögliche Rückfallgründe oder problematische Situationen vorweggenommen und Verhaltensregeln für deren Auftreten festgelegt. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer sog. Rückfall-Prophylaxe. Darüber hinaus werden Patienten dabei unterstützt, den gesamten Alltag auf das Nichtrauchen einzustellen.

Das Element der Selbstkontrolle wird durch eine beständige Selbstbeobachtung des Rauchers in die Therapie eingebracht. Durch eine gezielte Stimuluskontrolle - d.h. durch das Führen eines Tagebuches, in das man einträgt, in welchen Situationen das Verlangen nach einer Zigarette am größten ist, soll die Aufgabe des Tabakkonsums erreicht werden. Die nach dem Rauchstopp fehlende positive Verstärkung durch die Wirkung des Nikotins muss ersetzt werden.

Stabilisierung
In dieser Phase werden alternative Verhaltensweisen trainiert bzw. gefestigt. Begleitende Bewegungsprogramme und Entspannungstechniken verhelfen den Patienten zu einem besseren Körpergefühl, bauen Spannungen ab und wirken der Gewichtszunahme bei der Nikotinentwöhnung entgegen. Spezielle Ernährungstipps können Rückfällen ebenfalls vorbeugen, denn vor allem Frauen beginnen bei spürbarer Gewichtszunahme wieder mit dem Rauchen.

Ein wesentlicher Bestandteil aller Behandlungsmaßnahmen ist die Unterstützung durch den Behandler, der sich Zeit nimmt und auf die Situation und die Bedürfnisse eingeht. Auch vertraute Personen aus dem näheren Umfeld sollten über den Aufhörwunsch Bescheid wissen und Fortschritte anerkennen und unterstützen.

Da Tabakabhängigkeit ein chronischer Zustand ist, der häufig wiederholte Interventionen notwendig macht, ist immer auch mit Rückfällen zu rechnen. Aufgabe des Therapeuten ist es, diese Problematik anzusprechen bzw. zu vermitteln, dass jeder neue Versuch die Chance auf eine dauerhafte Abstinenz grundsätzlich erhöht.

Wichtig ist, dass jeder Kontakt mit dem Patienten für eine kurze Empfehlung oder Beratung genutzt wird, um die Gesamtanzahl der Entwöhnungsversuche zu erhöhen.


Autorin: Mag.a Beate Atzler, Gesundheitseinrichtung und Raucherkompetenzzentrum Josefhof

Letzte Aktualisierung: Dezember 2006

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