HEALTH CENTER: Verhütung
Hormonelle Verhütung
(hormonelle Kontrazeption)
Als "Hormone" werden körpereigene Botenstoffe bezeichnet, die zwischen Organen und Geweben Informationen übermitteln. Sie werden in speziellen Drüsenzellen gebildet und anschließend ins Patienten-Info
Auf diese Weise beeinflussen die Botenstoffe verschiedenste Vorgänge und Zustände im menschlichen Organismus - vom Fettstoffwechsel, über den Blutzuckerspiegel bis hin zum Wasserhaushalt.
Auch der weibliche Monatszyklus und die Fruchtbarkeit einer Frau werden durch Hormone reguliert: Über ein komplexes Wechselspiel sorgen GnRH, FSH, LH, Östrogen und Progesteron dafür, dass in den Eierstöcken eine Eizelle heranreift und in der Mitte des Zyklus zum Eisprung gelangt. Auf diese Weise schaffen die Hormone eine Grundvoraussetzung für die Empfängnis.
Die Östrogene und das Gestagen Progesteron werden vor allem in den Eierstöcken produziert. Die Höhe ihrer Blutspiegel steuert gleichsam den Ablauf vor Ort, in den Fortpflanzungsorganen. Durch diese Hormone werden nicht nur die Eireifung und der Eisprung gelenkt, auch der Aufbau und das Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut sowie die Konsistenz des Schleims am Muttermund und im Gebärmutterhals unterliegen ihrem Einfluss.
Wird nun eine Frau schwanger, steigt die Östrogen-Produktion an, wodurch das Heranreifen einer neuen Eizelle verhindert wird. Das Gelbkörperhormon Progesteron unterbindet weitere Eisprünge und bewirkt eine Verdickung jenes Schleims, der den Gebärmutterhals verschließt - sodass er für Spermien undurchlässig wird. An diesen Vorgängen setzt die hormonelle Verhütung an.
Wie funktioniert hormonelle Verhütung?
Bei der hormonellen Kontrazeption (Verhütung) macht man sich diese Effekte der Hormone zunutze - mit dem Ziel, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Durch die Verabreichung von synthetisch, also künstlich hergestellten Abkömmlingen der natürlichen Hormone werden - je nach Kombination der Substanzen - verschiedene Effekte erzielt. Letztlich wird dem Körper der Frau aber immer eine Art künstliche Schwangerschaft vorgegaukelt.
Bei den hormonellen Verhütungsmitteln lassen sich folgende, von der Zusammensetzung der Präparate abhängige Wirkungen unterscheiden:
- sie unterdrücken die Eireifung und den Eisprung
- sie stören den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann
- sie verhindern die Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals und machen ihn so für Spermien unpassierbar
- sie schränken die Beweglichkeit der für den Ei- und Spermientransport wichtigen Eileiter ein.
Wird die hormonelle Kontrazeption abgesetzt, normalisieren sich alle Körpervorgänge wieder. Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit kehren zurück, bei manchen Präparaten sehr rasch, bei anderen nach einer etwas längeren Zeitspanne.
Welche Hormone kommen zum Einsatz?
Allein bei den Antibabypillen gibt es mittlerweile um die 60 Präparate, die sich in ihren Wirkstoffen, deren Kombination und Dosierung unterscheiden. Hinzu kommen alternative Verabreichungsformen - wie der Vaginalring, das Verhütungspflaster, das Hormonimplantat, die Dreimonatsspritze oder die Hormonspirale.
Die ersten Pillen enthielten ausschließlich künstlich hergestellte Östrogene. Heute sind die meisten hormonellen Verhütungsmittel Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Dabei kommen in der Regel zwei verschiedene synthetische Östrogene zum Einsatz: Ethinylestradiol und Mestranol (das im Körper in Ethinylestradiol umgewandelt wird). Diese beiden Hormone werden bei "klassischen" Pillenprodukten mit verschiedenen Gestagenen kombiniert. Darüber hinaus gibt es aber auch reine Gestagenpräparate, etwa die sogenannte Minipille.
Die Vielfalt an Präparaten und Verabreichungsformen macht es Frauen, die hormonell verhüten möchten, nicht immer einfach, aus den vorhandenen Möglichkeiten jenes Mittel zu wählen, das am besten zu den individuellen Bedürfnissen passt und am besten vertragen wird. Eine Beratung durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen kann in dieser Situation hilfreich sein.
Welche Methoden gibt es und für wen sind sie geeignet?
Antibabypille
Der Klassiker ist nach wie vor das mit Abstand beliebteste und am häufigsten verwendete hormonelle Verhütungsmittel. Unter "der Pille" versteht man im Allgemeinen ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat. Präparate mit einem Östrogengehalt von unter 50 Mikrogramm wurden früher als Mikro-Pille bezeichnet. Da mittlerweile aber kaum noch Antibabypillen mit einer höheren Dosierung verschrieben werden, besitzt dieser Begriff keine große Bedeutung mehr. Je nach Zusammensetzung wird weiters unterschieden in:
- Einphasenpräparate: Bei diesen Präparaten sind die einzelnen Tabletten in ihrer Zusammensetzung identisch. Das heißt, sie enthalten die gleichen hormonellen Wirkstoffe in gleich bleibender Dosierung. In der Handhabung sind diese Pillen am einfachsten, weil es beispielsweise nichts ausmacht, wenn die Reihenfolge bei der Einnahme vertauscht wird.
- Zweiphasenpräparate: Die ersten Dragees einer Packung enthalten Östrogen, ab dem 8. Tag beinhalten die Pillen Östrogen und Gestagen.
- Zwei- und Dreistufenpräparate: In diesem Fall wechseln die Hormon-Dosierungen der einzelnen Dragees stufenweise innerhalb des Zyklus.
Durch die mehrphasigen und mehrstufigen Formen der Verabreichung soll auf die natürlichen Hormonschwankungen während eines Zyklus Rücksicht genommen werden. Die vermehrte Orientierung am weiblichen Zyklus hat allerdings zur Folge, dass die auf der Packung vorgegebene Reihenfolge der Dragees genau eingehalten werden muss.
Das grundsätzliche Wirkprinzip ist bei den Ein- und Mehrphasen-Präparaten aber gleich: Die Frau nimmt 21 Tage durchgehend die Pille. Durch die enthaltenen Konzentrationen an Östrogen und Gestagen werden die Eireifung und der Eisprung unterdrückt bzw. wird verhindert, dass der Muttermund für Spermien passierbar wird. Zusätzlich sorgen die Pillenhormone dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht in dem Ausmaß aufgebaut wird, dass sich eine befruchtete Eizelle dort einnisten könnte.
Nach den 21 Tagen der Einnahme folgt eine Einnahmepause von sieben Tagen: Da nun keine Hormone eingenommen werden, sinken auch die Blutspiegel ab. Dies ist ein Signal für die Gebärmutter, die gebildete Schleimhaut abzustoßen, was zum Einsetzen der Blutung führt. Diese sogenannte Abbruchblutung hat mit der normalen Menstruationsblutung nichts zu tun: Sie ist einzig und allein Resultat von Einnahme oder Nichteinnahme der Pille. Auch während der Einnahmepause bietet das Verhütungsmittel Schutz.
Langzyklen
Zunehmende Bedeutung gewinnt der sogenannte Langzyklus, bei dem die Pille über die üblichen 21 Tage hinaus eingenommen wird. Ohne die oben beschriebene Pause kommt es zu keinem Abfall des Hormonspiegels und die Blutung bleibt aus. Wie lange die blutungsfreie Zeit dauert, kann die Frau mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin festlegen. Meist folgt auf eine 12-wöchige Einnahme ein 7-tägiges einnahmefreies Intervall.
Empfohlen wurde der Langzyklus zunächst vor allem Frauen, die während der Pillenpause starke Beschwerden hatten - also etwa Schmerzen oder Migräneattacken. Inzwischen entscheiden sich aber deutlich mehr Frauen und Mädchen für diese Form der Einnahme. Ein Grund dafür ist, dass Frauen ihre "Tage" mitunter als störend empfinden und einfach seltener haben wollen. Über verstärkte Nebenwirkungen dieser Anwendungsform oder negative Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit ist bislang nichts bekannt.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Pille ein sehr sicheres, leicht anwendbares und meist gut verträgliches Verhütungsmittel ist. Allerdings: Auch wenn durch die veränderte Dosierung der Pille unerwünschte Nebenwirkungen zurückgegangen sind, reicht deren Palette immer noch von vorübergehender Gewichtszunahme über Zwischenblutungen bis hin zu einer Erhöhung des Thrombose-Risikos. Demgegenüber finden sich aber auch mögliche erwünschte Nebenwirkungen wie Zyklusregulierung, Abnahme von Regelschmerzen oder eine Besserung von Akne-Problemen.
Mini-Pille
Im Gegensatz zu allen anderen Antibabypillen enthält die Minipille kein Östrogen. Enthalten ist nur ein Gestagen - und dies in niedriger Dosierung. Die empfängnisverhütende Wirkung der klassischen Minipillen beruht darauf, dass sie den Schleimpfropf am Gebärmutterhals so verändern, dass Spermien nur sehr schwer in die Gebärmutter gelangen können. Zudem beeinträchtigen sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich die Eizelle - im unwahrscheinlichen Fall einer Befruchtung - nicht einnisten kann. Präparate, die das Gestagen Desogestrel enthalten, führen (im Gegensatz zu Minipillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel) darüber hinaus auch zu einer Hemmung des Eisprungs und sind somit vergleichbar zuverlässig wie Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate.
Die hormonelle Kontrazeption durch herkömmliche Minipillen verlangt Disziplin: Frauen müssen diese Präparate täglich mehr oder weniger auf die Stunde genau einnehmen, damit sie wirklich zuverlässig vor einer Schwangerschaft geschützt sind. Wird das Dragee um mehr als drei Stunden verzögert eingenommen, ist die verhütende Wirkung nicht mehr gewährleistet. Bei Minipillen auf Desogestrel-Basis lässt sich die Einnahme gelegentlich bis zu zwölf Stunden verschieben.
Gestagenpillen werden durchgehend eingenommen - also ohne Pause. Dabei stellt sich die Regelblutung oft in unregelmäßigen Abständen und unterschiedlicher Intensität ein. Minipillen sind vor allem für jene Frauen eine Alternative, die Kombinationspräparate nicht vertragen oder aufgrund von Gegenanzeigen (z.B. Thrombose-Neigung) nicht anwenden sollten.
Drei-Monats-Spritze
Wie die Minipille ist auch die Drei-Monats-Spritze ein reines Gestagenpräparat und wirkt der Empfängnis auf ähnliche Weise entgegen. Der Gynäkologe oder die Gynäkologin injiziert das Hormon in den Gesäßmuskel oder in den Oberarmmuskel. Von dort gelangt das Gestagen langsam in die Blutbahn, über die es dann zu Gebärmutter und Eierstöcken transportiert wird, wo es seine Wirkung über einen Zeitraum von drei Monaten entfaltet.
Die Drei-Monats-Spritze ist vergleichbar sicher wie die Antibabypille, wobei die Gefahr von Anwendungsfehlern in diesem Fall geringer ist. Allerdings ist ein spontanes Absetzen der Verhütungsmethode nicht möglich. Darüber hinaus kann es nach dem Absetzen einige Zeit dauern, bis sich wieder ein regelmäßiger Eisprung einstellt.
Aus diesem Grund ist diese Form der hormonellen Verhütung vor allem dann geeignet, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Auch für Frauen, die mit anderen Verhütungsmethoden nicht zurechtkommen oder östrogenhaltige Kontrazeptiva nicht einnehmen dürfen, stellt die Drei-Monats-Spritze eine Alternative dar.
Verhütungsstäbchen
Das Verhütungsstäbchen folgt dem gleichen Wirkprinzip wie die Minipille. Es handelt sich um ein vier Zentimeter langes und zwei Millimeter dünnes Kunststoffstäbchen, das der Arzt oder die Ärztin in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter die Haut implantiert - meist an der Innenseite des Oberarms. Dort bleibt es für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren und setzt aus einem Depot kontinuierlich kleine Gestagenmengen frei. Dadurch ist in dieser Zeit ein sicherer Verhütungsschutz gewährleistet.
Diese Form der hormonellen Kontrazeption ist vor allem für Frauen geeignet, die langfristig verhüten wollen. Fehler in der Anwendung sind praktisch ausgeschlossen, und nach dem Entfernen des Hormonstäbchens dauert es meist nur zwei, drei Monate, bis sich der Zyklus normalisiert und die Fortpflanzungsfähigkeit zurückkehrt.
Verhütungspflaster
Wie die "klassische" Antibabypille enthält das Verhütungspflaster eine Östrogen-Gestagen-Kombination. Der Unterschied zwischen den beiden Verhütungsformen besteht darin, dass die Hormone im Fall des Pflasters nicht über den Magen-Darm-Trakt, sondern über die Haut in den Blutkreislauf gelangen. Man spricht in diesem Fall von einer transdermalen Kontrazeption.
Sieben Tage lang setzt das Verhütungspflaster seine Inhaltsstoffe frei, dann muss es gegen ein neues Pflaster getauscht werden. Nach drei Wochen wird schließlich eine Woche ausgesetzt, in der es zu einer Abbruchblutung kommt. Vergleichsweise häufig zeigen sich Irritationen der Haut. Zudem ist das auf Bauch, Oberarm oder Rücken anzubringende Pflaster relativ groß und zählt deshalb nicht unbedingt zu den diskretesten Verhütungsmethoden.
Vaginalring
Bei dieser Verhütungsmethode handelt es sich um einen hormonhaltigen Ring aus flexiblem Kunststoff, der wie ein Tampon in die Vagina eingeführt und am oberen Ende platziert wird. Von dort aus setzt er kontinuierlich eine konstante Menge Östrogen und Gestagen frei. Die Hormone werden direkt über die Scheidenwand aufgenommen und verhindern nach demselben Prinzip wie die Antibabypille eine Schwangerschaft.
Nach 21 Tagen entfernt die Frau den Ring und setzt nach sieben Tagen einen neuen Ring ein. Während dieser einwöchigen Pause kommt es zu einer Abbruchblutung. Als Vorteil dieser Methode gilt, dass man nur zweimal pro Zyklus an die Verhütung denken muss - beim Herausnehmen und beim Einlegen. Sie eignet sich etwa für Mädchen und Frauen, die die Pille nicht vertragen.
Allerdings wird der Ring - von Männern wie Frauen - beim Sex manchmal wahrgenommen und als störend empfunden. In Situationen wie diesen kann man den Vaginalring für maximal drei Stunden herausnehmen, ohne dadurch die empfängnisverhütende Wirkung zu beeinträchtigen. Der Vaginalring ist ähnlich sicher wie die Pille und somit eine einfach anzuwendende Alternative. Da er erst seit 2003 erhältlich ist, fehlen derzeit allerdings noch Langzeitdaten zu möglichen Nebenwirkungen.
Hormonspirale
Die Hormonspirale stellt eine Weiterentwicklung der normalen Spirale dar. Wie diese wird sie von einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin in die Gebärmutter eingesetzt. In weiterer Folge gibt sie über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren täglich eine sehr kleine Menge Gestagen direkt in die Gebärmutter ab. Das Hormon entfaltet seine empfängnisverhütende Wirkung also direkt vor Ort und gelangt so gut wie nicht in die Blutbahn. Das ist das große Plus dieser Verhütungsmethode.
Stellt sich ein Kinderwunsch ein, muss die Hormonspirale allerdings wieder von Arzt oder Ärztin entfernt werden. Deshalb ist die Hormonspirale vor allem für Frauen geeignet, die längerfristig nicht schwanger werden wollen und ein dauerhaft wirksames und sehr sicheres Verhütungsmittel suchen.
Hormonelle Verhütung: Mögliche Nebenwirkungen
| Autor: Ulrich Kraft (Arzt) |
Quellen:
AWMF-Online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Empfängnisverhütung. AWMF-Leitlinienregister Nr. 015/015 (Stand 05/2008)
Manfred Kaufmann, Serban. D. Costa und Anton Scharl: Die Gynäkologie. Springer Verlag (2. vollständig überarbeitete Auflage 2005)
Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe


