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Die Minipille

Die Minipille gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Während es sich bei der "klassischen" Antibabypille um ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen handelt, enthält die Minipille ausschließlich Gestagen (Gelbkörperhormon). Lange Zeit standen nur Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel zur Verfügung. Mittlerweile ist auch eine Minipille auf dem Markt, die das Gestagen Desogestrel enthält und in Österreich unter dem Handelsnamen Cerazette® erhältlich ist.

Verhütungsmittel, deren Wirkung ebenfalls auf Gestagen beruht, die aber nicht oral angewendet, also eingenommen werden, sind das Verhütungsstäbchen, die Hormonspirale und die Drei-Monats-Spritze.


Wie wirkt die Minipille?

Die herkömmlichen Minipillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel entfalten ihren empfängnisverhütenden Effekt in erster Linie über Veränderungen des Schleims im Gebärmutterhals. Durch die Gestagenwirkung können Samenzellen den Zervikalschleim nur sehr schwer passieren. Somit gelangen sie auch nicht in Gebärmutter bzw. Eileiter und können keine Eizelle befruchten.

Zudem behindern diese Präparate den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine Eizelle im unwahrscheinlichen Fall der Befruchtung dort nur schlecht einnisten kann. Die Hormonmenge in den levonorgestrelhaltigen Präparaten ist allerdings so niedrig, dass sie den Eisprung in der Regel nicht verhindern.

Hier liegt der große Unterschied zur "neuen" Minipille: Studien zufolge unterdrückt sie den Eisprung mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent. Zusätzlich verdickt das eingesetzte Hormon Desogestrel aber auch den Schleim im Gebärmutterhals. Aufgrund dieser doppelten Wirkung verfügt die desogestrelhaltige Minipille über eine ähnlich hohe Sicherheit wie Antibabypillen mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination.


Wie wird die Minipille angewendet?

Anders als Kombinationspräparate werden Minipillen ohne Unterbrechung eingenommen. Das heißt, die bei der Pille nötige Einnahmepause von sieben Tagen im Monat gibt es bei der Minipille nicht. Die meisten Packungen enthalten Streifen zu jeweils 28 Tabletten. Ist ein Streifen aufgebraucht, wird am nächsten Tag mit einem neuen begonnen.

Levonorgestrelhaltige Minipillen erfordern ein nicht zu unterschätzendes Maß an Disziplin der Anwenderin: Nur wenn sie jeden Tag mehr oder weniger zur gleichen Uhrzeit geschluckt werden, ist ein hoher Empfängnisschutz gewährleistet. Schon wenn die Einnahme sich einmal um mehr als drei Stunden verzögert, ist die verhütende Wirkung nicht mehr gesichert. In diesem Fall sollten in der darauffolgenden Zeit zusätzlich andere Verhütungsmethoden benutzt werden - zum Beispiel Kondome.

Dieses strenge Zeitfenster gilt für die Desogestrel-Minipille nicht. Bei ihr lässt sich die Einnahme genau wie bei den Östrogen und Gestagen enthaltenden Antibabypillen gelegentlich um bis zu zwölf Stunden verschieben, ohne dass der Empfängnisschutz beeinträchtigt wird. Diese Minipille bietet somit mehr Freiheiten in der Anwendung.

Wie alle anderen hormonellen Verhütungsmittel sind Minipillen per Definition Medikamente und müssen von Hausarzt oder Gynäkologin verschrieben werden.


Für welche Frauen ist die Minipille geeignet?

Prinzipiell eignet sich die Minipille für Frauen, die hormonell verhüten wollen, die allerdings keine östrogenhaltigen Kontrazeptiva vertragen oder diese aufgrund von Gegenanzeigen (Kontraindikationen) nicht anwenden sollten. Zur letzteren Gruppe gehören etwa Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko oder starke Raucherinnen.

Auch wenn es bei der Einnahme der "normalen" Pille zu Problemen wie verstärkten Wassereinlagerungen oder Kopfschmerzen kommt, kann die Minipille eine Alternative darstellen. Weiters eignet sie sich wegen ihrer relativ niedrigen Dosis für Mütter in der Stillzeit, die hormonell verhüten möchten. Die in die Muttermilch übergehende Gestagenmenge ist so gering, dass sie dem Kind nach heutigem Erkenntnisstand nicht schadet. Das Alter der Frau ist mit keiner Anwendungseinschränkung der Minipille verbunden.


Welche Vorteile hat die Minipille?

Die Minipille bietet - in Abhängigkeit von den enthaltenen Wirkstoffen - einen relativ guten bis guten Empfängnisschutz, der auf Wunsch der Anwenderin jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann. Im Lauf der Anwendung kommt es im Vergleich zur natürlichen Periode meist zu einer Abnahme der Stärke der Regelblutungen und einer Minderung von Regelschmerzen.

Anwenderinnen der Minipille müssen nicht mit möglichen Nebenwirkungen des Hormons Östrogen rechnen. Diese Präparate bieten somit auch jenen Frauen, die kein Östrogen zuführen wollen oder sollen, eine Möglichkeit der oralen Kontrazeption.


Welche Nachteile hat die Minipille?

Im Gegensatz zu anderen Methoden der hormonellen Verhütung (Hormonspirale, Dreimonatsspritze, Depotpflaster, Hormonstäbchen) muss bei der Minipille täglich an die Verhütung gedacht werden. Im Fall von levonorgestrelhaltigen Minipillen ist darüber hinaus ein sehr enges Zeitfenster zu beachten. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Anwendungsfehlern bei diesen Präparaten an.

Wie alle anderen hormonellen Verhütungsmittel schützt die Minipille weder vor HIV noch vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen!


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die mit Abstand häufigste Nebenwirkung sind Veränderungen im Muster der Regelblutung. Gerade zu Beginn der Einnahme führt die Minipille relativ häufig zu Zwischenblutungen, die zwar medizinisch unbedenklich sind, von vielen Frauen aber als sehr lästig empfunden werden.

Ebenso kommt es vor, dass die Monatsblutung sich verzögert oder gänzlich ausbleibt - was nicht selten die Befürchtung weckt, doch schwanger geworden zu sein. Im Laufe der Zeit pendelt sich das Blutungsmuster dann aber oft ein - in Richtung weniger häufig und weniger stark. Auch allfällige Nebenwirkungen wie Akne, Übelkeit, Gewichtszunahme oder ein Spannungsgefühl in der Brust legen sich meist nach einigen Monaten.


Wie sicher ist die Minipille?

Die Minipille gehört zu den relativ sicheren Verhütungsmitteln. Vorraussetzung für die Zuverlässigkeit der levonorgestrelhaltigen Präparate ist allerdings die pünktliche Einnahme im 24-Stunden-Rhythmus. Bereits bei einer einmaligen Verzögerung von drei Stunden nimmt der Empfängnisschutz ab, weil der Schleimpfropf im Gebärmutterhals sich zu verflüssigen beginnt.

Bei korrekter Anwendung liegt der Pearl-Index dieser Minipillen bei 0,5. Dieser Wert besagt, zu wie vielen ungewollten Schwangerschaften es kommt, wenn 100 Frauen eine Verhütungsmethode ein Jahr lang anwenden. Bedingt durch das strenge Einnahmeschema, bei dem leicht einmal ein Fehler passieren kann, liegt der Pearl-Index herkömmlicher Minipillen in der Praxis allerdings zwischen 0,5 und 3.

Die desogestrelhaltige Minipille ist deutlich sicherer. In Untersuchungen wurde ein Pearl-Index von 0,14 bis 0,4 ermittelt. Das ist ähnlich hoch wie bei den als sehr zuverlässig geltenden Antibabypillen mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination. Grund für die höhere Sicherheit im Vergleich zu den Levonogestrel-Minipillen ist einerseits das Einnahmeschema der "neuen" Minipille, das weniger Platz für Anwendungsfehler lässt; andererseits ihre zusätzliche empfängnisverhütende Wirkung durch die Verhinderung des Eisprungs.

Verschiedene Medikamente - unter anderem einige Antiepileptika sowie Antibiotika - können die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen, weil sie die Aufnahme der Hormone über die Darmschleimhaut behindern oder deren Abbau in der Leber beschleunigen. Wenn Frauen solche Medikamente einnehmen, sollten sie in dieser Zeit zusätzlich nicht-hormonelle Verhütungsmittel benutzen. Entsprechende Hinweise finden sich in der Packungsbeilage. Vorsicht ist auch bei Durchfall und Erbrechen geboten.


Was kostet die Minipille?

Je nach Präparat und Packungsgröße kostet die Verhütung mit einer levonorgestrelhaltigen Minipille im Monat zwischen 5 und 10 Euro. Die Minipille mit dem Wirkstoff Desogestrel ist etwas teurer.


Autor: Ulrich Kraft (Arzt)

Datum der Erstellung: Juli 2008

Quellen:
AWMF-Online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Empfängnisverhütung. AWMF-Leitlinienregister Nr. 015/015 (Stand 05/2008)
Manfred Kaufmann, Serban. D. Costa und Anton Scharl: Die Gynäkologie. Springer Verlag (2. vollständig überarbeitete Auflage 2005)
Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

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