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Vaginalring

Der Vaginalring zählt zu den hormonellen Verhütungsmethoden. Es handelt sich dabei um einen Ring aus flexiblem Kunststoff mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern, der von der Frau direkt in die Scheide eingebracht wird. Dort setzt er konstant Hormone aus der Gruppe der Gestagene und Östrogene frei, die über die Vaginalwand aufgenommen werden.

Obwohl Anwenderinnen und deren Partner dem Verhütungsring laut Untersuchungen hohe Akzeptanz entgegenbringen, wird diese Methode derzeit nur von rund einem Prozent der Frauen im gebährfähigen Alter angewendet. Der Vaginalring ist in Österreich seit Oktober 2002 unter dem Handelsnamen NuvaRing® erhältlich.


Wie wirkt der Vaginalring?

Aus den beiden Depots des Rings werden täglich 120 Mikrogramm Etonogestrel (ein Gestagen) sowie 15 Mikrogramm Ethinylestradiol (ein Östrogen) freigesetzt. Durch diese Hormonabgabe wird der Eisprung der Frau unterdrückt.

Darüber hinaus verhindert das Gestagen Etonogestrel die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Auch wird durch das Gestagen die Konsistenz des Schleimpfropfs im Muttermund verändert, sodass Spermien nur sehr schwer in die Gebärmutter gelangen können.


Wie wird der Vaginalring angewendet?

Der Vaginalring kann von der Frau selbst eingesetzt werden. Allerdings sollte eine Ärztin oder ein Arzt zu Beginn Anweisungen in Hinblick auf das Einführen und Entfernen des Rings geben. Der Ring sollte zusammengedrückt und daraufhin möglichst tief in die Scheide eingeführt werden - ähnlich wie beim Einführen eines Tampons.

Die genaue Position des Rings in der Vagina ist dabei nicht entscheidend für die kontrazeptive Wirkung. Wichtig ist in erster Linie, dass der Ring als angenehm und nicht störend empfunden wird. Beim Einführen gilt es eine möglichst bequeme Haltung zu wählen - etwa mit einem Bein erhöht stehend, hockend oder liegend.

Bei der ersten Anwendung sollte NuvaRing® am ersten Tag der Menstruation eingeführt werden, es ist aber auch möglich, zwischen Tag 2 und 5 der Regel zu beginnen. Im ersten Anwendungszyklus wird in den ersten sieben Tagen der Verwendung zusätzlich eine mechanische Verhütungsmethode (z.B. ein Kondom) angeraten. Hat die Frau schon zuvor hormonell verhütet (z.B. mit der Pille), sollte der Zeitpunkt des Wechsels mit einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin besprochen werden.

Nach drei Wochen Liegezeit muss der Ring wieder entfernt und entsorgt werden. Er kann durch Einhaken des Zeigefingers oder Ergreifen des Rings zwischen Zeige- und Mittelfinger aus der Scheide herausgezogen und entfernt werden. Der gebrauchte Ring sollte in den mitgelieferten Beutel gelegt und für Kinder und Haustiere unerreichbar entsorgt werden.

Dann folgt - wie bei der Pille - eine Pause von sieben Tagen, anschließend wird wieder ein neuer Ring eingesetzt. Innerhalb der siebentägigen Pause findet die Menstruation statt. Die Entzugsblutung beginnt normalerweise zwei bis drei Tage nach der Entfernung des Vaginalrings und kann noch nicht vollständig beendet sein, wenn das Einführen des nächsten Rings fällig ist.
Belässt man den Ring in der Scheide oder setzt man ohne Pause wieder einen neuen Ring ein, verschiebt sich dadurch die Periodenblutung. Vergisst man das Verhütungsmittel nach drei Wochen zu entfernen, bleibt die Sicherheit der Verhütung noch etwa eine Woche bestehen.

Sollte der Vaginalring - aus welchen Gründen auch immer - herausgleiten, kann er mit lauwarmem Wasser abgewaschen und wieder eingesetzt werden. Dass sich der Ring dabei für kurze Zeit außerhalb der Scheide befindet, stellt kein Problem dar und beeinträchtigt die Sicherheit der Verhütungsmethode nicht. Jedoch sollte die "Liegepause", in der sich der Ring außerhalb der Vagina befindet, keinesfalls länger als drei Stunden dauern.


Welche Vorteile hat der Vaginalring?

Der Vorteil des Vaginalrings gegenüber der "klassischen" hormonellen Verhütung ("Pille") liegt darin, dass er nur einmal monatlich angewendet werden muss. Man muss nur an das rechtzeitige Einsetzen und - drei Wochen darauf - an das rechtzeitige Entfernen denken.

Bei der oralen Hormonzufuhr kommt es nach der Einnahme der Pille zu hohen Hormonwerten im Blut, die in weiterer Folge nur langsam wieder absinken. Diese sogenannten Hormonspitzen werden durch die stetige Abgabe der Substanzen aus dem Vaginalring vermieden. Die kontinuierlich freigesetzten und über die Scheidenwand aufgenommenen Hormone führen bei den Anwenderinnen zu konstanten und niedrigen Gestagen- und Östrogen-Blutspiegeln - wodurch es auch zu schwächer ausgeprägten Nebenwirkungen kommt.

Durch den Vaginalring lässt sich eine gute Zykluskontrolle erzielen. Üblicherweise kommt es im Vergleich zur natürlichen Periode zu einer Abnahme von Dauer und Stärke der Regelblutungen, auch treten Regelschmerzen bei Verwendung des Vaginalrings seltener auf. In rund fünf Prozent der Fälle werden Zwischenblutungen beobachtet. Nach Absetzen des Verhütungsmittels kommt es rasch zur Rückkehr des natürlichen Eisprungs.

Durch Aufnahme der Hormone über die Scheide wird im Gegensatz zur Pille der Magen-Darm-Trakt umgangen. Es kommt daher bei Erbrechen oder Durchfall zu keinem Wirkungsverlust.


Welche Nachteile hat der Hormonring?

Bei Frauen mit Gebärmuttervorfall, Einstülpung von Blase oder Mastdarm in die Scheidenwand (Zystozele, Rektozele) sowie schwerer oder dauerhafter Verstopfung kann NuvaRing® möglicherweise nicht richtig angewendet werden.


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Bei Anwendung des Vaginalrings kann es zu Nebenwirkungen kommen, die auch bei oralen kombinierten Kontrazeptiva auftreten können - also einer Pille, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthält. Man geht aber davon aus, dass diese beim Vaginalring etwas seltener sind als bei der klassischen hormonellen Kontrazeption, da die Hormonspiegel im Blut wie erwähnt geringer sind.

Die wichtigsten Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Bauchschmerzen, Übelkeit
  • Brustspannen
  • Akne
  • Vaginitis, vaginaler Ausfluss
  • Stimmungsschwankungen, verringertes Lustempfinden (Libido)

Speziell durch den Ring verursachte Probleme wie Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr, Ausstoßung des Rings oder Fremdkörpergefühl treten nur selten auf.


Wann darf der Vaginalring nicht verwendet werden?

Im Fall des Vaginalrings sind die gleichen Gegenanzeigen (Kontraindikationen) wie bei der Antibabypille zu beachten. Nicht eingesetzt werden sollte der Ring demnach bei

  • bestehenden oder vorausgegangenen thromboembolischen Erkrankungen (z.B. Beinvenenthrombose, Lungenembolie)
  • Risikofaktoren für thromboembolische Erkrankungen
  • schweren Lebererkrankungen
  • gut- oder bösartigen Lebertumoren (auch in der Krankengeschichte)
  • sexualhormonabhängige Tumoren
  • nicht abgeklärte vaginale Blutungen
  • Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Präparats


Worauf ist bei Anwendung anderer Arzneimittel zu achten?

Wie bei der Pille muss auch bei Anwendung des Vaginalrings auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geachtet werden. Insbesondere Antibiotika (z.B. Penicilline, Tetrazykline) oder Arzneimittel, die den Leberstoffwechsel beeinflussen (z.B. Antiepileptika), können zu einem Wirkungsverlust des Verhütungsmittels führen.

Hingegen scheinen Tampons, in die Scheide eingebrachte Pilzmittel (Antimykotika) oder spermienabtötende Substanzen (Spermizide) die Wirksamkeit des Vaginalrings nicht zu beeinträchtigen.


Wie hoch ist die Sicherheit?

Klinische Studien wurden parallel in Europa und in den USA mit Frauen zwischen 18 und 40 Jahren durchgeführt. In Europa lag der Pearl-Index durchschnittlich bei 0,4 bis 0,65 Prozent, in den USA bei 1,3 bis 1, 7 Prozent. Dieser Index gibt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften an, die auftreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit dem Vaginalring verhüten. In 1.200 Anwenderinnen-Monaten kommt es in Europa also zu 0,4 bis 0,65 Schwangerschaften.


Wie viel kostet der NuvaRing®?

Der Vaginalring kostet 20 Euro (bzw. 3 Stück 52,15 Euro) und ist auf Rezept in den Apotheken zu beziehen (Stand: Juli 2008).


Erstautorin: Dr. Britta Bürger, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Aktualisierung und redaktionelle Bearbeitung: Dr. Matthias Thalhammer

Letzte Aktualisierung: Juli 2008

Quellen:
AWMF-Online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Empfängnisverhütung. AWMF-Leitlinienregister Nr. 015/015 (letzte Überarbeitung 05/2008)
Manfred Kaufmann, Serban. D. Costa und Anton Scharl: Die Gynäkologie. Springer Verlag (2. vollständig überarbeitete Auflage 2005)

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