KRANKHEITEN
Borreliose (Lyme-Disease, Lyme-Borreliose) >>> zum Health Center Dermatologie Borreliose ist eine weltweit relativ häufig auftretende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Auf den Menschen werden die Bakterien durch Zeckenstiche übertragen. Die Borreliose verläuft in mehreren Stadien: Zunächst ist die Haut im Bereich der Einstichstelle auffällig gerötet und entzündet, später kann die Erkrankung vor allem Gelenke, Muskeln und Nerven befallen. Nicht bei allen Erkrankten treten alle Stadien auf, auch muss nicht unbedingt ein Zeckenstich bemerkt worden sein. Die Erkrankung kann mit Antibiotika wirksam behandelt werden und heilt meist folgenlos aus. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es in Europa derzeit noch nicht. Die Bezeichnung Lyme-Disease geht auf den Ort Lyme in Connecticut/USA zurück, wo dieses Krankheitsbild 1975 nach gehäuftem Auftreten von Gelenksentzündungen in Verbindung mit Zeckenstichen beschrieben wurde. Der Erreger, Borrelia burgdorferi, wurde erst 1981 von Wilhelm Burgdorfer entdeckt. Die Erreger leben im Darm von Zecken (Ixodes ricinus), jenen Blut saugenden Insekten, die zahlreiche Tiere und auch den Menschen befallen. Beim Stich der Zecke können die Erreger in den menschlichen Organismus eindringen. Je länger die festgesaugte Zecke in der Haut verbleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. Auch starkes Quetschen des Insektenkörpers beim Entfernungsversuch kann die Ansteckungsgefahr erhöhen. Daher sollte auf korrektes Entfernen geachtet werden. In Mittel- und Nordeuropa sind etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken Träger von Borrelien. Aber nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zur Ansteckung, und längst nicht jede Ansteckung führt zur Erkrankung. Besonders häufig tritt die Borreliose bei Personen auf, die viel Zeit in der Natur verbringen. Beruflich gefährdet sind Arbeiter in der Wald- und Forstwirtschaft sowie im Gartengewerbe. Die Borreliose verläuft schubweise in mehreren Krankheitsstadien. Dabei können einzelne Stadien übersprungen werden bzw. kann nur eines der Stadien isoliert entstehen. 1. Stadium Erstes Anzeichen einer Borreliose-Infektion ist meist das Auftreten einer Rötung im Bereich der Einstichstelle, einige Tage bis zu drei Wochen nach dem Stich. Dieser rote Fleck breitet sich langsam aus und wird gleichzeitig im Zentrum heller, so dass zunächst eine scheibenförmige, später eine ringförmige Hautveränderung zu beobachten ist (Erythema chronicum migrans, Wanderröte). Schmerzen bereitet die Hautrötung selbst nicht, manchmal wird sie jedoch von Fieber, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenksschmerzen oder Lymphknoten-Schwellungen begleitet. Auch ohne medikamentöse Behandlung bildet sich diese Veränderung meist innerhalb einiger Wochen vollständig zurück. Die Borrelien verbleiben jedoch im Körper, können sich dort vermehren und den Übergang der Krankheit in das nächste Stadium einleiten. 2. Stadium In diesem Erkrankungsstadium kommt es zu einer Ausbreitung der Bakterien auf den gesamten Organismus (Generalisierung). Dabei treten allgemeine Krankheitsanzeichen wie Fieber, Schweißausbrüche, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknoten-Schwellungen auf. Das zweite Stadium kann auch ohne vorherige Hautveränderungen und sehr bald nach dem Zeckenstich auftreten. Typisch ist der Befall des Nervensystems (Neuroborreliose) unter anderem mit Nervenwurzelentzündungen, Lähmungen der Gehirnnerven (z.B. Gesichtslähmung) oder selten Hirnhautentzündung. Bei den Betroffenen kommt es meist zu Schmerzen, oft im Bereich der Stichstelle. Infolge treten (bei 90 Prozent) auf eine Körperhälfte beschränkte schlaffe Lähmungen ein, die (bei 60 Prozent) von Empfindungsstörungen (Kribbeln) begleitet sind. Bei etwa 15 Prozent der Erkrankungen ist auch der Herzmuskel von der Entzündung betroffen und Rhythmusstörungen mit einer Verlangsamung des Herzschlages können auftreten. In einigen Fällen kann dadurch der vorübergehende Einsatz eines Herzschrittmachers erforderlich werden. Relativ selten tritt an der Haut des Ohrläppchens (vor allem bei Kindern), der Brustwarzen oder des Hodens ein rötlich-entzündlicher Knoten auf (Borrelien-Lyphozytom; Lymphadenosis cutis benigna Bäfverstedt). 3. Stadium Das dritte Stadium beginnt erst Monate bis Jahre nach der Infektion. Typische Beschwerden sind Gelenksentzündungen (Lyme-Arthritis), die schubweise verlaufen und abwechselnd verschiedene Gelenke betreffen können. Am häufigsten sind dabei die Kniegelenke betroffen, dann in abnehmender Häufigkeit Sprunggelenke, Ellenbogen, Finger-, Zehen- und Handwurzelgelenke sowie Kiefergelenke. Es kommt zu schmerzhaften Schwellungen, die über mehrere Wochen bestehen können. Oft ist die Diagnose einer Borreliose nicht einfach, da die Erkrankung so viele verschiedene Erscheinungsformen aufweisen kann. Ein deutlicher Hinweis ist ein Zeckenstich vor dem Auftreten der Beschwerden, insbesondere wenn es zu einer ringförmigen Hautrötung an der betreffenden Stelle gekommen ist. Auch Jahre zurückliegende Zeckenstiche können noch verantwortlich sein. Bei Verdacht auf Borreliose wird der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen. Dabei werden die Entzündungswerte (Blutbild, Blutsenkung, CRP) gemessen sowie spezielle, gegen Borrelien gerichtete Antikörper im Blut bestimmt. Zwei Arten von Antikörpern sind dabei von Bedeutung:
Bei Verdacht auf eine Neuroborreliose muss eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) mit Hilfe einer Liquorpunktion durchgeführt werden. Die Borreliose wird nur bei Auftreten von Krankheitsanzeichen behandelt. Der alleinige Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Blut ist noch kein Grund für eine Behandlung mit Antibiotika. Wenn es an der Stichstelle zu den typischen Hautrötungen kommt, sind Borrelien-Antikörper im Blut meist noch nicht nachzuweisen. Dennoch wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Borreliose handelt und eine Therapie mit einem Antibiotikum begonnen. Im ersten Stadium können Tetrazykline (nicht bei Kindern!) oder Amoxicillin für drei Wochen eingenommen werden. Es ist wichtig, dass die Behandlung ausreichend lange und in ausreichender Dosierung fortgeführt wird, um sicherzustellen, dass keine Bakterien im Körper überleben und so den Übergang in ein späteres Stadium der Erkrankung verursachen können. Eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung nach einem Zeckenstich wird nicht empfohlen. Wird eine Borreliose rechtzeitig und ausreichend behandelt, heilt sie folgenlos und vollständig aus. Späte chronische Formen sind selten und beruhen meist auf Schäden am Nervensystem oder an den Gelenken.
Autor: Prof. Dr. Robert Gasser, aktualisiert von Jochen Niehaus (Arzt) Letzte Aktualisierung: April 2005 |
