SEXUALITÄT & PARTNERSCHAFT
Hepatitis B
(Leberentzündung durch Hepatitis-B-Virus)
Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic
Was ist Hepatitis/Hepatitis B?
Unter Hepatitis
versteht man die Entzündung der Leber.
Hepatitis B wird durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht, das durch Körperflüssigkeiten
- Speichel, Urin, Stuhl, Sperma, Vaginalschleim, Blut oder Blutplasma - übertragen wird.
Hepatitis B ist ausgesprochen ansteckend! Es genügen bereits mikroskopisch kleine Hautverletzungen, durch die der Erreger in die Blutbahn gelangt. Die
Erkrankung beginnt zumeist mit einer akuten Hepatitis, welche in über 90 Prozent der Fälle vollständig und ohne Folgen ausheilt. Bei einem geringen Prozentsatz der Infizierten
geht die akute Erkrankungsform jedoch in die chronische Hepatitis B über. Diese kann über viele Jahre zu einer fortschreitenden Leberschädigung führen.
Weitere Formen ansteckender Leberentzündung sind Hepatitis A und Hepatitis C.
Was sind die Hauptansteckungswege?
Die Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus erfolgt über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Dazu sind aber zumindest kleine Haut- oder Schleimhautverletzungen notwendig. Eine Übertragung über intakte Haut, Schleimhäute oder durch Tröpfcheninfektion (z. B. Anhusten) ist nicht möglich. Weiters kann eine Infektion durch den Kontakt mit infektiösem Blut oder Blutprodukten erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Hepatitis B ist hundert Mal höher als mit HIV. Durch die routinemäßige Testung aller Spender auf Hepatitis ist das Risiko einer Infektion durch Blutkonserven in Österreich aber extrem gering. Hepatitis B zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STD/ sexually transmitted diseases). Eine infizierte Schwangere kann das Ungeborene anstecken.
Welche Personen zählen zur Risikogruppe?
- Drogenabhängige, die sich Suchtgifte spritzen
- Menschen mit häufigem Partnerwechsel und ungeschütztem Geschlechtsverkehr
- Personen in medizinischen Berufen (Ärzte, Krankenschwestern, Laboranten etc.) sind ebenfalls gefährdet, da sie häufig mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Berührung kommen.
- Reisende in Ländern mit hohem Durchseuchungsgrad der Bevölkerung. Potenzielle Gefahrenregionen sind Südostasien, Länder südlich der Sahara, Alaska und die Amazonas-Region.
Was sind die Symptome?
- Die Zeit zwischen der Ansteckung bis zum Auftreten der Krankheit beträgt ein bis sechs Monate (Inkubationszeit).
- Die ersten Beschwerden sind Appetitlosigkeit, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie leichtes Fieber.
- In der zweiten Krankheitsphase färben sich Haut, Schleimhäute und Augen gelb (Gelbsucht/Ikterus). Der Stuhl entfärbt sich, der Urin wird dunkel.
- Danach tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein. Die Erkrankung dauert meist vier bis sechs Wochen an.
- Zwei Drittel aller Erwachsenen und fast alle Kleinkinder können an Hepatitis B erkrankt sein, ohne etwas davon zu bemerken.
- Bei etwa drei Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Leberentzündung. Die chronische Hepatitis B kann ohne Beschwerden verlaufen oder eine Reihe von weniger ernsthaften Beschwerden mit sich führen: Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie ein gelegentlicher Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen. Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich eine Schrumpfleber (Leberzirrhose), die in weiterer Folge zu einem Versagen der Leberfunktionen oder zu Leberkrebs führen kann. Zwischen Ansteckung und Entstehung einer Zirrhose bzw. der Entwicklung von Leberkrebs vergehen durchschnittlich 15 Jahre.
Wie kann Hepatitis B vermieden werden?
Es gibt eine sehr wirksame Impfung gegen Hepatitis B, die aus drei Teilimpfungen besteht. Nach der ersten Teilimpfung werden zwei weitere nach einem bzw. sechs Monaten verabreicht. Der Impfschutz hält mindestens fünf Jahre an. Danach kann durch eine Titerkontrolle überprüft werden, ob noch ein ausreichender Impfschutz vorhanden ist. Gegebenenfalls erfolgt dann eine Auffrischungsimpfung. Seit 1998 wird die Impfung bei allen Neugeborenen in Österreich flächendeckend durchgeführt. Es gibt auch einen kombinierten Impfstoff für Hepatitis A und Hepatitis B, der in gleicher Weise verabreicht wird.
Wer sollte sich impfen lassen?
Die Impfung gegen Hepatitis B empfiehlt sich besonders bei Personen mit einem hohen Infektionsrisiko, dazu zählen:
- Mitglieder eines Haushalts, in dem eine Person mit chronischer Hepatitis B lebt
- Sexualpartner einer Person mit chronischer Hepatitis B
- Neugeborene, wenn die Mutter mit Hepatitis B infiziert ist. Die Impfung sollte umgehend nach der Geburt in Kombination mit einem HBV-Immunglobulin verabreicht werden, um einen sofortigen Schutz zu erzielen.
- Drogenabhängige, welche Suchtgift spritzen
- Personen mit häufig wechselnden Sexpartnern und ungeschütztem Geschlechtsverkehr
- Krankenhauspersonal mit häufigem Blutkontakt
- Reisende in Ländern mit hoher Durchseuchung der Bevölkerung
Weitere Maßnahmen zur Vermeidung einer Ansteckung
- Teilen Sie keine Rasierutensilien, Zahnbürsten oder Nagelscheren mit infizierten Personen.
- Benutzen Sie Kondome beim Geschlechtsverkehr mit Infizierten oder Partnern, deren Infektionsstatus Sie nicht kennen.
- Spritzen dürfen nicht von mehreren Menschen verwendet werden.
Was Sie selber tun können, wenn Sie Hepatitis B haben
- Sorgen Sie dafür, dass Ihre Familie und Ihr Sexualpartner vor einer Ansteckung geschützt sind (Immunglobuline, Aktive Schutzimpfung).
- Trinken Sie keinen Alkohol, falls eine Blutuntersuchung eine Leberentzündung ergeben hat, da dadurch Ihre Leber zusätzlich geschädigt wird.
- Dies gilt insbesondere, wenn eine chronische Hepatitis B festgestellt wurde.
- Falls Sie eine chronische Hepatitis haben, sollten Sie sich zwei Mal jährlich ärztlich untersuchen lassen.
- Sorgen Sie für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die akute Hepatitis B kann sehr unterschiedlich verlaufen. In seltenen Fällen treten keinerlei wesentliche Beschwerden auf. Zumeist kommt es jedoch nach einer Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) von zwei bis vier Monaten zu einer akuten fieberhaften Erkrankung.
Mögliche Beschwerden sind:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schwächegefühl
- Deutliche Gelbfärbung der Augen (Ikterus)
- Dunkelverfärbung des Harns
- Heller Stuhl
Ihr Arzt wird unterschiedlich stark erhöhte Leberwerte feststellen, die Diagnose der Hepatitis B wird dann durch den Nachweis von Antikörpern gegen das Hepatitis-B-Virus oder Bestandteile des Hepatitis-B-Virus (HBV) gestellt.
Die Diagnose der chronischen Hepatitis B wird entweder im Anschluss an eine akute Hepatitis B gestellt - wenn sechs Monate nach Krankheitsbeginn noch immer keine Spontanheilung eingetreten ist - oder als Zufallsbefund, wenn im Rahmen einer Routineuntersuchung oder beim Blutspenden erhöhte Leberwerte oder Virusbestandteile im Blut nachgewiesen werden.
In manchen Fällen erfolgt die Diagnose aber auch erst viele Jahre nach der Infektion, wenn der Patient, durch die Symptome der fortgeschrittenen Lebererkrankung alarmiert, den Arzt aufsucht. Personen mit chronischer Hepatitis B sind Virus-Träger, wodurch die Möglichkeit einer Infektion für andere besteht.
Mögliche Folgen und Komplikationen
Die meisten Patienten mit einer akuten Hepatitis B sind nach vier bis sechs Wochen wieder vollkommen gesund. In einem von tausend Fällen kommt es bei einer akuten Hepatitis B allerdings zum Leberversagen, das zum Tod führen kann. In diesen Fällen kann das Leben des Betroffenen oft nur durch eine sofortige Lebertransplantation gerettet werden.
Bei zehn Prozent der Erwachsenen entwickelt sich die Infektion zu einer chronischen Erkrankung. Bei Neugeborenen, die von der Mutter angesteckt wurden, ist dies weit häufiger der Fall. Wenn nach der Geburt keine sofortige Gabe von HBV-Immunglobulin und aktivem Hepatitis-B-Impfstoff erfolgt, beträgt das Infektionsrisiko bis zu 90 Prozent.
In manchen Fällen kann eine chronische Hepatitis B nach vielen Jahren (rund 20 Jahre) zu einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) oder zu Leberkrebs führen.
Die Behandlung
Wenn der Verdacht einer akuten Hepatitis besteht, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Es existiert keine ursächliche Therapie für eine akute Hepatitis B, daher erfolgt nur eine symptomatische Behandlung in Form von Bettruhe, Alkoholverbot oder Absetzung aller leberbelastenden Medikamente durch den behandelnden Arzt. Nach Abklingen der akuten Leberentzündung ist zumeist mit einem Ausheilen der Hepatitis B zu rechnen und keine weitere Therapie erforderlich.
Wenn Blutuntersuchungen und Gewebeproben eine chronische Hepatitis B nachgewiesen haben (frühestens sechs Monate nach Ausbruch der akuten Leberentzündung), kann unter Umständen in Abhängigkeit von den Befunden eine Therapie mit Interferon-Spritzen begonnen werden. Da diese Therapie jedoch sehr aufwändig, belastend und nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll ist, sollte sie nur von einem mit dieser Therapie erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Rund ein Drittel der Patienten sind nach mindestens sechsmonatiger Therapie wieder gesund.
Wenn die Interferon-Therapie nicht erfolgreich ist, so besteht im Anschluss daran noch die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung mit einem gut wirksamen Medikament, welches die Vermehrung des Hepatitis-B-Virus hemmt. Da mit dieser Therapie aber nur höchstens ein Fünftel der Patienten dauerhaft geheilt werden kann und das Virus im Laufe der Zeit gegen das Medikament häufig resistent wird, ist diese Therapie erst in zweiter Linie zu empfehlen.
Sollte die chronische Hepatitis B nach etlichen Jahren zur Leberzirrhose geführt haben, so existiert als letzte Behandlungsmöglichkeit oft nur mehr eine Lebertransplantation. Nach jahrelanger, chronischer Hepatitis B besteht auch ein deutlich erhöhtes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Deshalb ist es wichtig, dass bei Personen mit chronischer Hepatitis B und längerer Krankheitsdauer regelmäßig (halbjährlich) eine Kontrolluntersuchung durchgeführt wird, um einen Leberkrebs möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.
Letzte Aktualisierung: Juli 2000
