SEXUALITÄT & PARTNERSCHAFT
Herpes genitalis
Prof. Dr. Daisy Kopera
Was ist Herpes genitalis?
Herpes ist eine ansteckende
Virus-Krankheit, die durch Herpes-simplex-Viren (HSV) vom Typ I
oder Typ
II ausgelöst wird und Haut und Schleimhäute befällt. Herpes macht sich
durch Rötung und Gruppen von kleinen mit Flüssigkeit gefüllten
Bläschen bemerkbar.
Die Bläschen können schmerzen, brennen oder jucken. Sie platzen und
bilden Geschwüre, die im Laufe von zwei bis drei Wochen verheilen, ohne
Narben zu hinterlassen. Herpes wird durch engen körperlichen Kontakt, oft
durch Geschlechtsverkehr, übertragen und tritt an den Geschlechtsteilen
und am After auf. Beim Oralsex kann ein Lippenbläschen auf die
Geschlechtsteile übertragen werden - oder umgekehrt.
Es gibt zwei verschiedene Typen von HSV. Beide können die Haut und die Schleimhäute des ganzen Köpers angreifen. HSV Typ I, die häufigste Form, ist in der Regel auf den Mund und die Lippen begrenzt. HSV Typ II betrifft besonders die Geschlechtsteile. Etwa 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben Antikörper gegen den HSV Typ I in ihrem Blut. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben Antikörper gegen den HSV Typ II.
Wodurch bekommt man Herpes genitalis?
Herpes genitalis ist in erster
Linie eine Geschlechtskrankheit. Falls Sie Herpes haben und schwanger
sind, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Bei der Geburt kann
das Herpesvirus auf das Kind übertragen werden, weshalb eine Behandlung
mit speziellen Medikamenten und eventuell eine Kaiserschnitt-Entbindung
erwogen werden soll.
HSV greift die Zellen der Oberhaut an, es bilden sich mit Flüssigkeit
gefüllte Bläschen. Von der Oberhaut bewegen sich die
Herpes-Simplex-Viren über die Nervenbahnen zu den Wurzeln der Nerven, wo
das Virus bestehen bleibt.
Ist Ihre Immunabwehr zum Beispiel auf Grund einer anderen Erkrankung
vermindert, reaktiviert sich das HSV und löst die Herpeserkrankung erneut
aus.
Welche Beschwerden treten bei Herpes genitalis auf?
Die primäre Infektion (erstmaliges Auftreten der Krankheit) kann sehr unterschiedlich verlaufen:
- Der erste Herpesausbruch beginnt drei bis neun Tage, nachdem man sich angesteckt hat.
- Manche Menschen haben keine oder nur sehr leichte Beschwerden. Andere können schwere Beschwerden wie zum Beispiel Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen haben.
- Begleitet werden diese Symptome von brennenden Schmerzen an den Geschlechtsteilen und/oder am After.
- Es können Probleme beim Wasserlassen auftreten.
- Die Bläschen werden zu Geschwüren, die im Laufe von zwei bis drei Wochen verheilen.
Die Chancen auf eine Heilung von Herpes genitalis
Eine Herpesinfektion heilt innerhalb von zwei bis drei Wochen meist von selbst ab. Das Virus bleibt aber ständig im Körper, und die Krankheit kann immer wieder neu ausbrechen. Die meisten Menschen mit dem schlafenden Virus für Herpes genitalis im Köper haben keine oder nur wenige Ausbrüche.
Die ersten Anzeichen eines
Ausbruchs sind ein unangenehm prickelndes oder stechendes Gefühl im
Schambereich. Es können wenige Stunden bis Tage vergehen, bis sich die
kleinen Bläschen auf der Haut bilden. In sehr schweren Fällen kann sich
Herpes von den Geschlechtsteilen über Gesäßhälften bis hin zu den
Schenkeln ausbreiten.
Beim Oralsex kann sich Herpes genitalis auf Mund und Rachen ausbreiten und
zu einer sehr schmerzhaften Halsentzündung führen. Bei Analsex kann
Herpes auf den After übertragen werden und blutigen Ausfluss sowie
Schmerzen am After verursachen.
Herpes genitalis-Ausbrüche sind oft wesentlich schmerzhafter als gewöhnliche Lippenbläschen. Trotzdem ergeben sich bei manchen Menschen nur geringe Irritationen oder gar keine Beschwerden.
Falls Sie Herpes genitalis haben, sollten Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzen. Auch wenn sie keine Wunden haben, können Sie den Sexualpartner anstecken. Manche Beschwerden, die als Irritation oder Hämorrhoiden gedeutet werden, können in Wirklichkeit auf Herpes genitalis zurückzuführen sein.
Was kann ich selbst tun, um Herpes genitalis zu vermeiden?
- Benutzen Sie Kondome, auch beim Oralsex.
- Vermeiden Sie Sex während der Zeit, in der Sie oder Ihr Partner einen Ausbruch von Herpes genitalis haben.
Wie stellt der Arzt die Diagnose Herpes genitalis?
- Oft gibt Ihr Krankheitsverlauf und das Aussehen des Ausschlags Aufschluss über die vorliegende Krankheit.
- Ein Abstrich aus Herpesbläschen kann den Nachweis der Herpes-Viren erbringen.
- Eine zusätzliche Blutuntersuchung unterstützt die Diagnose.
Mögliche Verschlimmerung
- Infektion der Geschwüre mit Bakterien
- Falls sich die Krankheit auf die Augen ausbreitet, kann es zu einer Beeinträchtigung der Sehkraft kommen.
Mögliche Folgen
Herpes genitalis entwickelt sich sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben ihr Leben lang keine oder seltene Ausbrüche, während andere unter regelmäßigen Ausbrüchen leiden. Die Häufigkeit der Ausbrüche nimmt glücklicherweise mit dem Alter ab.
Was kann ich selbst tun?
- Finden Sie heraus, durch welche Umstände bei Ihnen ein erneuter Ausbruch von Herpes genitalis ausgelöst wird.
- Vermeiden Sie die Berührung der betroffenen Stellen, sie können sonst leicht auf andere Körperstellen übertragen werden. Die Wunde könnte sich mit Bakterien infizieren, was zusätzlich zu einer Hautinfektion führen kann.
- Wenn Sie den Verdacht haben, an Herpes genitalis erkrankt zu sein, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden.
Was kann der Arzt tun?
Der Arzt kann feststellen, ob Sie
Herpes genitalis haben.
Er kann Sie auf eine eventuelle bakterielle Infektion hin untersuchen und
behandeln. Die Behandlung bei Herpes genitalis mit speziellen antiviralen
Medikamenten (Virustatika) kann den Krankheitsverlauf um einige Tage
verkürzen und die Beschwerden mindern. Die Wirksamkeit der Medikamente
ist umso größer, je früher diese bei ersten Anzeichen eines Ausbruchs
eingenommen werden.
Letzte Aktualisierung: Juni 2000
