THEMA: GRIPPE & ERKÄLTUNG
Die Grippeimpfung
Die Impfung gegen die Grippe (Influenza) gehört zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. Sie bietet Schutz vor der "echten Grippe", die bei ansonsten gesunden Menschen zu schwerer Krankheit mit teilweiser Bettlägerigkeit führen kann.
Da in jeder Saison ein anderes Grippevirus kursiert, muss die Impfung für dauerhaften Schutz jährlich wiederholt werden. Grundsätzlich empfiehlt der Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates diese Maßnahme all jenen, die sich schützen möchten. Die Krankenkassen übernehmen jedoch nur bei besonders gefährdeten Patientengruppen die anfallenden Kosten.
Wie wirkt die Impfung?
Durch die Grippeimpfung wird das Immunsystem mit dem Erreger bekannt gemacht, noch bevor es zu einer Infektion gekommen ist. Die Spritze enthält abgetötete Grippeviren oder Bestandteile des Erregers, die eine Immunreaktion auslösen. Es bilden sich so genannte Gedächtniszellen, die bei Kontakt mit dem echten Grippeerreger sehr schnell Antikörper bilden und das Virus eliminieren, noch bevor es sich ausbreiten kann.
Mit der durch die Impfung erreichten Immunität ist man selbst vor der Erkrankung geschützt und kann die Grippe auch nicht mehr auf andere Personen übertragen. Vor anderen Erkältungskrankheiten (grippaler Infekt; "banale Erkältung"), die nicht vom Grippe-Virus hervorgerufen werden, bietet die Impfung keinen Schutz. Besonders für alte und chronisch kranke Menschen kann die Influenza lebensgefährlich sein. Um Epidemien zu vermeiden, ist eine Durchimpfungsrate von mindestens 30 Prozent der Gesamtbevölkerung notwendig.
Welche Impfstoffe gibt es?
Da sich die Oberflächen-Merkmale der Grippeviren durch Mutationen ständig ändern, muss der Impfstoff in jedem Jahr den aktuell grassierenden Erregern angepasst werden. Eine Impfung aus dem Vorjahr kann aus diesem Grund in der nächsten Grippesaison schon nicht mehr wirksam sein. Die Zusammensetzung des Impfstoffs erfolgt gemäß den Empfehlungen der WHO, die für die Nordhalbkugel für die Saison 2007/2008 drei Virusstämme erwartet:
- A/Solomon Islands/3/2006 (H1N1)-like virus
- A/Wisconsin/67/05(H3N2)-like virus
- B/Malaysia/2506/2004-like virus
In Österreich sind mehrere Impfstoffe verschiedener Herstellerfirmen zugelassen, die sich in ihrer Produktionsweise etwas unterscheiden. Sie alle bieten sehr guten Schutz vor der Virusgrippe Influenza, sind gut verträglich und werden ohne die umstrittene Trägersubstanz Thiomersal hergestellt. Für ältere Personen ist ein verstärkter Impfstoff verfügbar. Kinder bis zum dritten Lebensjahr werden mit der halben Erwachsenen-Dosis geimpft oder erhalten einen speziellen Kinderimpfstoff.
Wie wird geimpft?
Der Arzt injiziert den Influenza-Impfstoff als intramuskuläre Injektion in den Oberarm. Bei Personen, die Medikamente zur Blutgerinnungshemmung einnehmen, können bestimmte Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden, um Blutungen zu vermeiden.
Bei Erwachsenen ist eine Einzel-Impfung für den Grippeschutz ausreichend. Kinder unter acht Jahren erhalten bei Erstimpfung zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat. Der Impfschutz hat etwa zwei Wochen nach der Impfung seine volle Wirksamkeit erreicht.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Die Grippeimpfung wird normalerweise gut vertragen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerzen. Im Fall einer besonders starken Immunreaktion kann es zu Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen.
Wer sollte sich impfen lassen?
Die Grippeimpfung ist für jeden sinnvoll, der sich selbst schützen und andere nicht anstecken will. Personengruppen, die mit vielen Menschen in Kontakt kommen, wird die Impfung dringend empfohlen, ebenso Menschen mit Vorerkrankungen, für die eine Ansteckung lebensgefährlich sein kann.
Folgenden Personengruppen wird die Impfung vom Impfauschuss besonders empfohlen:
- Menschen im Alter über 50 Jahren
- Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen
- Personen mit chronischen Grundkrankheiten (insbesondere Herz- oder Lungenerkrankungen, Asthma, Diabetes, Nierenversagen)
- Patienten mit angeborener oder erworbener Abwehrschwäche, einschließlich HIV-infizierte Personen
- Personen mit beruflichem Infektionsrisiko, also Ärzte, Schwestern und anderes Personal im Spitalsbereich, aber auch in ärztlichen Ordinationen und Ambulatorien, sowie Personal von Pflegeheimen und mobile Krankenschwestern
- Personen mit Kontakt zu Risikopersonen
- Personal mit häufigem Publikumskontakt
Sollten sich auch die Jungen und Gesunden impfen lassen?
Wissenschaftlich gesehen, lässt sich die Empfehlung, ausschließlich die klassischen Risikogruppen (ältere Menschen, chronisch Kranke) zu impfen, nicht länger aufrechterhalten. Die Virusausbreitung unter gesunden jungen Personen ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung einer Epidemie. Daher sind gerade für diese Personen hohe Durchimpfungsraten anzustreben.
Prof. Michael Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien: "Die Grippeimpfung ist vor allem auch schon Jugendlichen zu empfehlen, weil diese die Motoren der Epidemie bilden. Junge Menschen bringen die Influenza nach Hause, ohne selbst zu erkranken, und die Großmutter stirbt daran. Diesen Zyklus gilt es mit der Impfung zu durchbrechen."
Wer sollte nicht geimpft werden?
Nicht geimpft werden sollten:
- Personen mit bekannter Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Hühnereiweiß
- Personen mit akuten fieberhaften Erkrankungen
Schützt die Grippeimpfung auch vor der Vogelgrippe?
Die Grippeimpfung schützt nur vor den im Impfserum enthaltenen Virusstämmen, also nicht vor dem Vogelgrippe-Virus Typ H5N1. Doch das ist auch nicht notwendig! Denn das Vogelgrippe-Virus ist derzeit prinzipiell nur von Vogel zu Vogel übertragbar, nur in seltenen Ausnahmefällen steckt sich ein Mensch durch den engen Kontakt mit infiziertem Geflügel an. Eine Infektionsgefahr über Eier oder Hühnerfleisch besteht nach derzeitigem Wissen nicht.
Autor: Jochen Niehaus (Arzt)
Quellen:
WHO Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2007-2008 northern hemisphere. Unter: www.who.int/csr/disease/influenza/recommendations2007north/en/
Impfplan 2008 Österreich. Evidenz-basierte Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates. Unter: www.bmgfj.gv.at/cms/site/attachments/1/4/0/CH0016/CMS1038913010412/b)_impfplan_20081.pdf
Österreichische Apothekerkammer Influenza: Impfstoff-Liste für 2007/2008
Letzte Aktualisierung: Jänner 2008
