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"Gefürchtete" Untersuchungen
Dr. Erich Mayer-Fally
| >>>Gastroskopie | |
| >>>Bildgebende Verfahren | |
| >>>Magnetresonanz-Untersuchung (MR) | |
| >>>Doppel-Kontrastuntersuchung | |
| >>>Koloskopie | |
| >>>Koronarangiographie | |
| >>>Biopsie | |
| >>>Urologische Untersuchungen |
Gastroskopie:
Die Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm mit
Hilfe eines Endoskops (schlauchförmiges Instrument zur Spiegelung von
Innenräumen des Körpers) ist vor allem dann unangenehm, wenn die
Berührung der Rachenhinterwand durch das Untersuchungsgerät Brechreiz
verursacht. Das Auftreten von Brechreiz ist dabei individuell sehr
unterschiedlich. Für manche Menschen stellt diese Untersuchung keinerlei
Belastung dar, während sich andere wiederum sehr schwer damit tun. Zur
Unterdrückung des Brechreizes wird der Rachen mit Hilfe eines
Betäubungssprays lokal unempfindlich gemacht. Vermeiden Sie es, bei der
Applikation (Einführung des Endoskops) einzuatmen. Wenn der Schlauch in
den Bereich des Rachens gelangt, versuchen Sie das weitere Vordringen
durch Schlucken zu unterstützen. Befindet sich das Endoskop im oberen
Verdauungstrakt, versuchen Sie den Speichel nicht mehr zu schlucken,
sondern lassen Sie ihn einfach aus dem Mund laufen.
Bildgebende
Verfahren:
Bei den häufigsten bildgebenden Verfahren, wie Röntgen oder
Computertomographie, werden zur Diagnose Röntgenstrahlen verwendet. Die
verabreichten Strahlendosen sind harmlos. Auch ist es zumeist nicht
notwendig, die Gonaden (Eierstöcke bzw. Hoden) mittels Bleischürze vor
den Strahlen zu schützen. In der Schwangerschaft sollte der Einsatz von
Röntgenstrahlen jedoch vermieden werden.
Falls Sie unter Platzangst leiden oder sich in engen Räumen unwohl fühlen, sollten Sie vor einer Magnetresonanz-Untersuchung (MR) Ihren Arzt darüber informieren. Denn bei dieser Methode müssen Sie sich für einige Minuten in eine laut tickende "Röhre" begeben. Dies kann vor allem von Personen mit Platzangst als sehr unangenehm empfunden werden. In einigen wenigen Zentren gibt es allerdings bereits offene MR-Systeme, die jedoch nicht für jede Untersuchung geeignet sind. Vor einer MR-Untersuchung bekommt der Patient einen venösen Zugang (Venflon) gesetzt, da häufig der Einsatz eines Kontrastmittels notwendig wird. Auch bei einer Computertomographie kommt in vielen Fällen ein Kontrastmittel zum Einsatz, so dass auch hier zumeist ein solcher Zugang gelegt wird. Kontrastmittel führen in den seltensten Fällen zu einer allergischen Reaktion (Hautjucken, Unruhe, Herzklopfen, Übelkeit, Brechreiz) bzw. bei Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) zu einer Verschlechterung. Auch diese Problematik sollte in einem Aufklärungsgespräch behandelt werden.
Darüber hinaus werden Kontrastmittel auch bei der Doppel-Kontrastuntersuchung des Verdauungstraktes angewendet, um durch das Auskleiden der Magen-Darm-Schleimhaut (Kontrastmittel) und das Einblasen von Luft oder CO2 einzelne Strukturen des Verdauungstraktes im herkömmlichen Röntgen sichtbar zu machen. Wird der Magen untersucht, muss man zunächst "trocken", also ohne Flüssigkeit, eine Brausetablette einnehmen. Durch das Nachtrinken von Wasser kommt es zur Schaumbildung im Magen. Diese Brausetablette kann einen sauren Geschmack und auch im Mundraum leichte Schaumbildung erzeugen. Anschließend muss das Kontrastmittel geschluckt werden. In den darauf folgenden Tagen kann der Stuhl durch das verabreichte Kontrastmittel von etwas hellerer Farbe sein. Bei der Untersuchung des Dünndarmes mittels Doppelkontrast müssen Sie eine sehr dünne Sonde (etwa 3mm) schlucken, über die Sie das Kontrastmittel direkt in den Dünndarm verabreicht bekommen. Bei der Dickdarmuntersuchung wird zunächst ein Kontrastmitteleinlauf verabreicht und anschließend etwas Luft oder CO2 über den Enddarm in den Darm gepumpt. Dies führt in manchen Fällen zu schmerzhaften Blähungen, die aber medikamentös gemildert werden können. Das Kontrastmittel entleert sich später auf natürliche Weise.
Koloskopie:
Vor einer Koloskopie muss der Darm gereinigt werden. Dies bedeutet,
dass Sie einen Tag vor der Untersuchung ein Abführmittel einnehmen und
eine Nahrungskarenz einhalten müssen. Während der Untersuchung sollte
jedenfalls auf Ihre Intimsphäre geachtet werden, zum Beispiel durch das
Bedecken entblößter Körperstellen. Das Einführen des Endoskops über
den Anus ist nicht schmerzhaft, jedoch kann das Vorschieben des Schlauches
vor allem bei bestehenden Darmentzündungen oder bei verwinkelten
Darmbereichen zu Schmerzen führen. Kann das Endoskop auf Grund enger
Passagen oder Hindernisse nicht weiter vorgeschoben werden, ist es
manchmal erforderlich, den Darm von außen über die Bauchdecke leicht zu
mobilisieren. Auch das zur Darmentfaltung notwendige Einbringen von Luft
kann zu unangenehmen Blähungsgefühlen führen. Bei dieser Untersuchung
ist es besonders wichtig, entspannt zu sein und ruhig zu atmen. Diese
Entspannung kann am besten dann erreicht werden, wenn Sie Vertrauen in das
Untersuchungsteam gefasst haben und der Vorgang in einer angenehmen
Atmosphäre stattfindet.
Koronarangiographie:
Ziel dieser Untersuchung ist es, mit Hilfe eines Kontrastmittels die
das Herz versorgenden Gefäße (Herzkranzgefäße) im Röntgen
darzustellen. Dazu ist es jedoch notwendig, einen Katheter über die
Beinschlagader bis zum Herzen vorzuschieben, um das Kontrastmittel direkt
in die Herzkranzgefäße einzubringen. In die Beinschlagader gelangt man
über die Leiste. Zunächst wird diese Stelle örtlich betäubt, um dann
einen Sheat zu legen. Dies ist eine sich selbst verschließende Kanüle,
über die der Katheter vorgeschoben werden kann. Das Vorschieben im
arteriellen Gefäßsystem bemerkt man nicht, erst die Verwendung des
Kontrastmittels ist durch ein Wärmegefühl im Körper spürbar. Wird
durch diese Untersuchung eine Verengung im Herzkranzgefäßsystem
entdeckt, wird diese Stenose (Verengung) zumeist dilatiert (gedehnt). Bei
dieser Aufdehnung kommt es kurzfristig zu einem kompletten Verschluss des
Gefäßes, was zu Engegefühl oder Schmerzen im Brustbereich führen kann.
Diese Beschwerden sollten jedoch nur kurzfristig anhalten und nach
erfolgter Dehnung abklingen. Da Sie diese Untersuchung bei vollem
Bewusstsein miterleben und dabei vielleicht die erwähnten unangenehmen
Empfindungen verspüren, sollten Sie mit dem untersuchenden Arzt in
ständigem verbalem Kontakt bleiben und sich nicht scheuen, Ihr momentanes
Befinden mitzuteilen. Immerhin sind dies auch für den Arzt wichtige
Informationen.
Nach der Untersuchung verbleibt die Kanüle noch für einige Stunden in der Leiste, da bei der Angiographie oft blutgerinnungshemmende Mittel verabreicht werden und ein vorzeitiges Entfernen somit zu Blutungen führen könnte. Die Kanüle wird dann von einem Arzt gezogen, wobei dieser das arterielle Gefäß im Anschluss etwa 15-30 Minuten abdrücken muss. Hierbei kann es durch die kurzfristige Minderdurchblutung zu Kribbeln im Bein kommen. Nach dem manuellen Abdrücken wird noch für etwa sechs Stunden ein kleiner Sandsack an der Leiste fixiert. In manchen Fällen wird an Stelle des Sackes auch ein aufblasbares Gerät verwendet. Das betroffene Bein sollte so wenig wie möglich bewegt, und genügend Flüssigkeit aufgenommen werden. Wenn es zu Blutaustritt kommt, ist dies natürlich umgehend zu melden. Teilweise sind auch Kanülen in Verwendung, welche die Wunde beim Entfernen selbstständig verschließen, so dass ein manuelles Abdrücken oder Komprimieren oftmals nicht mehr nötig ist. Leider können diese Systeme aus Kostengründen nicht immer angewandt werden. Selten kann es auch nachträglich zu Blutungen in das Leistengewebe kommen, was durch eine leichte Schwellung und eine Blauverfärbung (Hämatom) sichtbar wird. Mittels Ultraschalluntersuchung wird festgestellt, ob eine anhaltende Blutung vorliegt, die in manchen Fällen ein operatives Vorgehen erforderlich macht.
Biopsie:
Unter Biopsie versteht man die Entnahme von Gewebematerial. Diese
Gewebeprobe wird infolge histologisch untersucht, das heißt, sie wird auf
zellulärer Ebene auf krankhafte Merkmale wie Entzündungsanzeichen oder
Entartung geprüft. Diese Entnahme erfolgt oft im Zuge von endoskopischen
Untersuchungen, wie Gastroskopie, Bronchoskopie oder Koloskopie. Dabei
wird an krankhaft verändert wirkenden Stellen der untersuchten Organe mit
einer Greifzange eine kleine Gewebeprobe entnommen. Dieser Vorgang ist an
sich vollkommen schmerzfrei, es kann jedoch zu minimalen Blutungen kommen.
Um bei Biopsien an der Haut Schmerzen zu vermeiden, wird vor der
Probenentnahme die betroffene Stelle durch Einspritzen eines
Lokalanästhetikums betäubt. Eine Biopsie wird bei veränderter
Pigmentierung (Nävi), Bildung von Knoten oder therapieresistenten Ekzemen
notwendig. Nach der Entnahme muss die Wunde oftmals genäht werden, je
nach Lokalisation verbleibt die Naht sieben bis 14 Tage.
Auf die gleiche Art und Weise werden auch vergrößerte und verdächtig erscheinende Lymphknoten entfernt. Da diese jedoch unter der Haut liegen, gestaltet sich der Eingriff etwas schwieriger und erfolgt deshalb oft stationär. Ein lediglich kurzfristig vergrößerter Lymphknoten im Bereich von Leiste, Achsel oder Halsregion braucht Sie im Rahmen einer Infektion nicht zu beunruhigen, da es ja ein Teil der Aufgabe eines Lymphknotens ist, auf Infektionen und Entzündungen entsprechend zu reagieren. Bleibt diese Vergrößerung jedoch über einen längeren Zeitraum erhalten oder reagiert der Knoten auf Druckschmerz deutlich empfindlich, ist ein Besuch beim Arzt dringend anzuraten. Diesem Eingriff muss eine Blutabnahme und eine Ultraschalluntersuchung (ev. auch CT) zur genaueren Abklärung vorangehen.
Bestimmte Organe, wie Leber oder Nieren, können endoskopisch nicht erreicht werden, so dass sie durch Haut, Muskel und Gewebe punktiert werden müssen. Hierbei wird meist unter Ultraschallkontrolle mit einer Hohlnadel eine Gewebeprobe entnommen. Dafür wird die Haut gleichfalls lokal betäubt. Das Durchdringen des Gewebes kann, muss aber nicht schmerzhaft sein. Beim Punktieren des betreffenden Organs kommt es nur selten zu Schmerzen.
Da diese Eingriffe selten, aber doch zu Blutungen führen können, ist zumeist ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich. Zuvor wird die Blutgerinnung kontrolliert, und etwaige blutgerinnungshemmende Medikamente müssen über einen bestimmten Zeitraum abgesetzt oder durch andere (meist Heparin) ersetzt werden. Da bei der Punktion auch Muskulatur durchdrungen wird, können nachträglich vor allem Bewegungen oder selbst das Atmen von ziehenden Schmerzen begleitet sein.
Oft sind es jedoch nicht die körperlichen Beschwerden oder die Ängste vor dem Eingriff selbst, die den Patienten beschäftigen - vielmehr ist es die Ungewissheit über das Ergebnis der Biopsie. Auch wenn man diesem Thema gerne ausweicht, wäre es doch wichtig, vor dem Eingriff mit dem Arzt des Vertrauens darüber zu sprechen, welche Ergebnisse eine Biopsie bringen und wie hoch die Wahrscheinlichkeit z. B. für einen bösartigen Tumor sein kann. Der Arzt ist vorweg natürlich nur in der Lage, Möglichkeiten anzugeben, ein im Vertrauen geführtes Gespräch kann aber doch sehr beruhigen. Vor allem kann das Wissen um die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung doch eher geringer ist, zur Beruhigung beitragen.
Urologische
Untersuchungen:
Zuweilen ist es notwendig, die Blaseninnenwand zu inspizieren. Dies
erfolgt mit Hilfe der Zystoskopie über die Harnröhre. Bei der geraden
und kurzen Harnröhre der Frau geht dies zumeist schmerzfrei vor sich,
während es aufgrund von Krümmung und Länge der männlichen Harnröhre
zu Beschwerden kommen kann, vor allem bei Bestehen einer Entzündung.
Gleiches gilt für den in der Harnröhre genommenen Sekretabstrich. Um die
Schmerzen möglichst gering zu halten, werden zunächst ein Gleitmittel
und ein Lokalanästhetikum eingespritzt. Die mit den Fingern
durchgeführte digitale Untersuchung der Prostata ist eine an und für
sich schmerzfreie Untersuchung, wenngleich das Betasten der
Vorsteherdrüse oft ein unangenehmes Empfinden bewirken kann. Das
Einführen des Fingers über den Anus ist nur dann schmerzhaft, wenn eine
Verletzung, wie z. B. bei der Analfissur (Einriss der Analschleimhaut),
vorliegt. Somit sind es eher Schamgefühle, die Mann dazu führen, diese
mitunter lebensrettende Vorsorgeuntersuchung zu meiden. Nicht zuletzt aus
diesem Grund ist es von größter Bedeutung, zu seinem Arzt eine
vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Dieser sollte mit Einfühlsamkeit
darauf achten, dass die Untersuchung in einer für den Patienten
angenehmen Atmosphäre stattfindet. Der Patient hat ein Recht auf Wahrung
seiner Intimsphäre. Dies gilt vor allem bei gynäkologischen und
rektalen Untersuchungen, bezieht aber grundsätzlich jede Untersuchung mit
ein.
Letzte Aktualisierung: Juni 2002
