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Handgelenksnaher Speichenbruch
(distale Radiusfraktur)

Ein Viertel aller Knochenbrüche beim Menschen sind handgelenksnahe Speichenbrüche (distale Radiusfrakturen). Damit ist dies der häufigste Bruch. Er kann in jedem Lebensalter auftreten, bevorzugt aber bei älteren Menschen und bei fortgeschrittener Knochenentkalkung (Osteoporose). Bei Menschen unter 60 Jahren entstehen solche Verletzungen häufig bei sportlichen Aktivitäten, aber auch durch Gelegenheitsunfälle, Stürze, Verkehrs- und Arbeitsunfälle. 

Häufig treten einfache glatte Brüche und Trümmerbrüche auf. Das Spektrum der Fehlstellungen reicht von unverschobenen Brüchen bis zu solchen mit deutlich sichtbaren Fehlstellungen. Ist eine Gelenkfläche des Knochens in den Bruch einbezogen, spricht man von einem Gelenkbruch.


Wie entsteht ein Speichenbruch?

Der typische Unfallmechanismus ist ein Sturz auf die ausgestreckte oder gebeugte Hand. Immer häufiger führen Stürze beim Skateboard-Fahren oder Inline-Skaten zu solchen Brüchen. Gefährdet sind auch Fahrradfahrer und Schlittschuhläufer, die auf einen harten Untergrund stürzen.


Wie sehen die Anzeichen für einen handgelenksnahen Speichenbruch aus?

Der Verletzte hat Schmerzen am Handgelenk und kann seine Hand nicht benutzen. Das Handgelenk schwillt deutlich an und weist eine Fehlstellung auf. Manchmal färbt sich die Haut durch einen Bluterguss blau. Werden die Knochenbruchstücke bewegt, ist ein deutliches Knirschen im Bereich des Bruches zu hören.

Zuerst sollte der Bruch durch Schienen ruhig gestellt werden. Eisauflagen lindern die Schmerzen und verringern die Schwellung.


Wie wird ein Speichenbruch festgestellt?

Über eine Röntgenuntersuchung lässt sich ein Speichenbruch eindeutig diagnostizieren. Es werden immer mindestens zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen angefertigt, um den Bruch hinsichtlich Fehlstellung, Anzahl der Fragmente und einer möglichen Gelenkbeteiligung sicher einordnen zu können. Weitere Untersuchungen wie Computer- oder Kernspin-Tomographie geben Aufschluss über spezielle Fragestellungen.


Wie wird ein handgelenksnaher Speichenbruch behandelt?

Obwohl Brüche am handgelenksnahen Ende des Unterarms sehr häufig sind, ist die Therapie keineswegs einfach. Eine Frage ist oft schwierig zu beantworten: Welches Verfahren führt bei welchem der unzähligen Typen von handgelenksnahen Brüchen zum besten Ergebnis?

Unverschobene Brüche werden in einem Gipsverband ruhig gestellt. Bei wenig verschobenen Brüchen mit wenigen Fragmenten wird der Bruch eingerichtet (reponiert) und ebenfalls eingegipst. Komplizierte Brüche mit vielen Knochen-Bruchstücken und/oder größerer Fehlstellung müssen operiert werden. 

Zwei Verfahren werden häufig angewandt:

  • Die Fixierung (Osteosynthese) mittels zwei bis drei durch die Haut eingebrachten Bohrdrähten
  • Die gelenküberbrückende Fixierung mittels einer äußeren Stabilisierung (Fixateur externe)

Die Operation wird unter Teil- oder Vollnarkose durchgeführt. Es ist sehr schmerzhaft, wenn der Bruch eingerichtet wird und die Drähte und Schrauben eingebracht werden.


Wie lange dauert die Behandlung? 

Je nach Alter des Patienten und Typ des Bruchs muss die Hand für drei bis sechs Wochen ruhig gestellt werden. Da sich der Bruch bei der Heilung erneut verschieben kann (sekundäre Dislokation), werden in bestimmten Zeitabständen Röntgenaufnahmen zur Kontrolle angefertigt. Wie lange der Bruch ruhig gestellt werden muss, hängt vom Heilungsfortschritt des Knochenbruchs ab. Selten entstehen Druckstellen im Gips, Durchblutungsstörungen oder Nervenschädigungen. Infekte der eingebrachten Drähte oder Schrauben treten selten auf.


Gibt es Unterschiede in der Behandlung Erwachsener und Kinder?

Bei den meisten Kindern ist es ausreichend, den Bruch einzurichten (Reposition) und für drei Wochen einen Gipsverband anzulegen. Eine Operation ist nicht notwendig.


Wie erfolgt die Weiterbehandlung?

Eine krankengymnastische Übungsbehandlung trainiert die Beweglichkeit des Handgelenks und die Unterarm-Muskulatur. 

Die Prognose dieser Verletzung hängt vom Typ des Bruches ab. Bei wenig verschobenen Brüchen und wenigen Trümmern ist das Behandlungsergebnis normalerweise sehr gut. Auch bei schwereren Bruchformen lässt sich bei fortgesetzter Übungsbehandlung ein befriedigendes Langzeitergebnis erzielen. Selten sind die Betroffenen in Folge der Verletzung berufs- oder erwerbsunfähig.

Autor: Dr. med. Martin Schäfer, Facharzt für Chirurgie

Literatur: 
M. Engelhardt, B. Hintermann, B. Segesser: GOTS-Manual Sporttraumatologie. Verlag Hans Huber, Bern 1997.
Klaus M. Stürmer: Leitlinien Unfallchirurgie. Thieme-Verlag 1999.

letzte Aktualisierung: Dezember 2000

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